Fast 40 Jahre später
Obwohl sich anschließend viele bekannte DEFA-Größen, darunter Kurt Wolf und Kurt Maetzig, für die junge Kollegin einsetzten, blieb das Verbot bestehen. Zumindest verlangte damalige Generaldirektor der DEFA, Albert Wilkening, das Material aufzubewahren – dennoch wurde es später komplett vernichtet. Einzig eine Arbeitskopie blieb in einem Vorführraum erhalten, weil sie noch mit dem mittlerweile abgelegten Arbeitstitel „Daniel“ beschriftet war.
Als die letzte verbleibende Rohschnittfassung nach der Wende von Kameramann Roland Gräf 1990 aufgefunden wurde, war sie so schlecht erhalten, dass von dem Farbfilm nur eine schwarzweiß Kopie gezogen werden konnte. Der Film hatte anschließend im Oktober desselben Jahres Premiere und wurde zwei Mal im Kino aufgeführt, bevor er wieder in Vergessenheit geriet. Erst 2009 konnte der Film nach jahrelanger Recherche durch die DEFA-Stiftung wieder aufgefunden werden. Nun erscheint Die Taube auf dem Dach offiziell im Kino – fast 40 Jahre nach seiner letzten Bearbeitung – und das Genre des DDR-Verbotsfilms erhält ein neues Mitglied.
Glücklicherweise für Iris Gusner wurde der Film von damals offizieller Stelle als „Experiment“ gewertet, so dass das Verbot nicht zum Stolperstein für die Karriere der Regisseurin wurde, die später beliebte Filme wie wie Das blaue Licht und Alle meine Mädchen gedreht hat.
Detailliertere Informationen können in dem Buch Fantasie und Arbeit. Biografische Zwiegespräche nachgelesen werden.

