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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 17:12

The Road - im Kino!

14.10.2010

Take the Highway to the End of the Night

Ein Vater und sein Sohn ziehen durch eine apokalyptische Landschaft aus Kälte und Tod. Das einzige Licht am Ende Der Straße ist vage Hoffnung auf Überleben. John Hillcoat schuf Cormac McCarthys mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman ein düsteres Endzeit-Drama von alttestamentarischer Wucht. Von LIDA BACH

 

„And it's very far away

But it's growing day by day

And it's all right, baby, it's all right (...)

We're on a road to nowhere.“

(Talking Heads)

 

Die Protagonisten sind namenlos wie das Land, das sie durchstreifen. Die USA existieren nicht mehr. Die Zivilisation ist ausgelöscht. Was geschehen ist, bleibt unklar. Der Schrecken scheint so gewaltig, dass es keine Worte dafür gibt. Tiere und Pflanzen sind ausgestorben. Die Überlebenden töten einander für Nahrung. Oder das Fleisch des Opfers. Die Mutter (Charlize Theron) des Jungen (Kodi Smit-McPhee) hat sich wie unzählige andere Menschen umgebracht. Der Vater (Viggo Mortensen) hat zwei Patronen aufgespart, um sich und den Sohn vor einem schlimmeren Ende zu bewahren.

 

Was schlimmer sein könnte, ist schwer vorstellbar. Schonungslos lässt sich Hillcocks The Road dennoch nicht nennen. Die drastischeren Details von McCarthys Roman spart der australische Regisseur aus: ein Neugeborenes, das zum Verzehr gebraten wird, die wie Hunde gehaltenen Sex-Sklaven der marodierenden Banden, ein verstümmelter Katzenkörper im einstigen Wohnhaus des Vaters.

 

Zu Beginn verstört The Road durch den greifbaren physischen Schrecken von Kälte, Hunger und Furcht. Die ausgebleichte Szenen-Gemälde, die hervorragende Besetzung und der Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis verleihen Hillcoats Endzeit-Drama eine bedrückende Atmosphärische Dichte. Die gespenstische Endgültigkeit von Cormac McCarthys Vorlage erreicht die Verfilmung dennoch nicht. Das Grauen erscheint zunehmend surreal, weil die schönen Momente vom monotonen Marsch entlang der Straße in Erinnerung bleiben. Dieses „Schöne“ ist eine Linderung der Qual, eine kurzfristige Annäherung an Normalität, bevor der Schrecken zurückkehrt.

 

,,Nehmen wir das Gute von Gott an, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?" (Buch Hiob)

Die Handlung bietet Raum für die unterschiedlichsten Interpretation. Am nächsten liegt eine biblische. Vater und Sohn, die wie zwei Totenvögel die Ruinen durchstöbern, teilen ihre Vorräte mit dem fast blinden Alten Ely (Robert Duvall). Der biblische Prophet Elias wird von zwei Raben mit Nahrung versorgt. Ely erzählt von seiner persönlichen Offenbarung: „Ich wusste, dass das kommen würde. Es gab Zeichen. Man hat uns gewarnt!“ Gegenüber den kollektiven Selbstmorden der Menschen im Angesicht der Katastrophe steht das Durchhalte-Mantra des Vaters. Er trotzt seiner Frau, die ihn zum Selbstmord überreden will.

 

In den Dialogen ist der Glaube ständig präsent. „The Boy is my warrant. If he is not the word of God then God never spoke“, lauten die ersten Worte des Vaters. Doch der Überlebenskampf hat ihn taub gemacht für die Stimme Gottes aus Kindermund. Nur widerwillig teilt er mit Ely, einen Dieb richtet er erbarmungslos hin. Die Werte, die er seinem Kind vermitteln will, hat er selbst verloren. In McCarthys Roman markiert die Sprache eine weitere Grenze zwischen Vater und Sohn. Begriffe und Sprichworte verlieren ihre Bedeutung, weil ihre Bezugsobjekte mit der Zivilisation untergegangen sind. Eine gefundene Dose Cola ist für den Sohn ein geheimnisvoller Gegenstand. Der Vater steht für die zerstörte Kultur, der Sohn verkörpert ein von der Zivilisation unberührtes Gegenbild. 

 

The Road gleicht einem filmischen Buch Hiob. Der Leidenswille und Glaubensfestigkeit der unschuldigen Protagonisten werden geprüft. Wie Aussätzige durchwandern sie das Wasteland eines W. H. Auden. Der Lohn ist die Wiederaufnahme in eine Kultur, eine Wiederaufnahme, die nur die standhaften „Träger des Feuers“ verdienen. „Alles Anmutige und Schöne, das einem am Herzen liegt, hat einen gemeinsamen Ursprung im Schmerz“, heißt es in der Buchvorlage. „Wer geduldig alles ertragen hat, den preisen wir glücklich“, sagt das Neue Testament. Ein zynisches Fazit angesichts der Apokalypse.


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Kommentar:
vielleicht unwichtig, aber der Regisseur heißt John Hillcoat
| von max, 26.10.2010
Allerbesten Dank für den Hinweis!
| von Redaktion , 26.10.2010

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