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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 17:21

Bandel / Hommer: Im Museum 2

13.01.2011

Heute so, morgen so

Wie schwer es ist, einen guten Zeitungsstrip zu Papier zu bringen, führt der zweite Sammelband von Jan-Frederik Bandels und Sascha Hommers Im Museum deutlich vor Augen. Von FALK STRAUB

 

Die Zeitung ist ein flüchtiges Medium. Obwohl sie im Gegensatz zu Rundfunk- und Fernsehprogrammen die Möglichkeit ihrer Archivierbarkeit in Form ihres Trägermaterials gleich mitliefert, macht kaum einer Gebrauch davon. Nach der häuslichen Lektüre am Frühstückstisch landet sie meist in der Tonne. Schließlich ist nichts so alt wie die Zeitung von gestern. Diese Flüchtigkeit hat aber auch etwas für sich. Mittelmäßige Artikel sind schnell vergessen. Wie in allen Lebenslagen bleiben nur die Extreme, die besonders guten, schlechten oder provokativen Beiträge beim Leser haften.

 

Vorteilhafte Gedächtnislücken

Macht man sich dennoch die Mühe und steigt hinab ins Archiv, um das Schaffen einer Epoche, eines Ressorts oder eines einzelnen Autors zu vergleichen, werden einem schlagartig die Nachteile einer solchen Zusammenschau bewusst. Gegenüber genialen Gedankenblitzen fallen weniger geistreiche Einfälle arg ab. Gerade in wertend-unterhaltenden Darstellungsformen wie etwa der Karikatur oder dem Zeitungs-Comic stechen die Unterschiede eklatant ins Auge. Da ergeht es Jan-Frederik Bandels und Sascha Hommers Im Museum nicht anders.

 

Nun bietet die Sammlung in Buchform freilich nicht nur Nachteile. Schließlich lassen sich die diversen Handlungsfäden des Strips, der zwischen 2007 und 2009 täglich in der Frankfurter Rundschau erschienen ist, in gebündelter Form leichter überblicken. Auch Querverweise sind einfacher zu erkennen, die Entwicklungslinien in Erzählung und Zeichenstil besser nachzuvollziehen. Der zweite Sammelband von Im Museum ruft aber auch diejenigen Schwächen des Comic-Strips schonungslos ins Gedächtnis zurück, die vielleicht längst vergessen waren.

 

Zwischen Einfallsreichtum und Abgedroschenheit

Wie schon im ersten Band folgt der Leser den Erlebnissen der Geschwister Niffi und Gustav. Im Museum treffen sie auf allerlei seltsame Kumpane wie einen anarchistischen U-Boot-Kapitän, schriftstellernde Kaninchen und den Kammerjäger Adolf Hitlers – einen Mistkäfer. Sie erleben Abenteuer in fernen Galaxien oder in einer Unterwasserwelt, die von Nazi-Karpfen bevölkert wird. Der Einfallsreichtum, mit der der Autor den musealen Raum und dessen Figureninventar lustvoll ins scheinbar Unendliche erweitert, ist durchaus originell. Die Pointen zünden hingegen in den seltensten Fällen.

 

Die Versuche, Komik durch absurde Situationen oder das Nebeneinanderstellen von Erhabenem und Profanem zu erzeugen, wirken bemüht. Am gelungensten sind noch die Passagen um das Institut für Schlafforschung. Wenn der Institutsleiter nicht zu sprechen ist, da er gerade schläft und keinesfalls geweckt werden darf, weil er sich in einer wichtigen Besprechung befindet, erahnt man die Richtung, die Bandel wohl gerne mit seinen Gags eingeschlagen hätte. Zu häufig münden die Panels jedoch in ein abgedroschenes, zu nahe am Kalauer gebautes Wortspiel, das nur ein müdes Lächeln hervorruft.

 

Überflüssige Zitateflut

Da hilft es auch nicht, dass sich der Comic-Strip munter durch Popkultur, Literatur- und Kunstgeschichte zitiert. Ohne gelungene Pointen erscheint die Referenzflut allenfalls wie selbstgefällige Prahlerei. Zu allem Überfluss bleibt Im Museum 2 auch zeichnerisch weit hinter seinen Möglichkeiten. Zwar leuchtet der cartooneske Stil aufgrund der Thematik, vielleicht auch aufgrund des Zeitdrucks ein. Spätestens seit Sascha Hommers letzter Einzelpublikation Vier Augen beschleicht einen jedoch das Gefühl, dass es der Zeichner schlicht nicht besser kann.

 

Die Physiognomien der Protagonisten sind schlicht uninspiriert, der Bildaufbau ist vielerorts zu unausgeglichen. Eine mangelnde Tiefenwirkung kombiniert mit einer ungünstigen Farbwahl sorgt dafür, dass Hommers Panels nicht nur viel zu flach, sondern häufig vollgestopft aussehen, selbst wenn nicht viel in ihnen passiert. Leser der Frankfurter Rundschau, die Im Museum etwas abgewinnen konnten, werden sich auch am hervorragend editierten Sammelband erfreuen. Allen anderen sei zu den Klassikern des Comic-Strips geraten.

 

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