Über die Notwendigkeit der deutschen Übersetzung eines wortlosen Comics
Zuerst mag es verwundern, dass ein deutscher Verlag Gon in sein Programm nimmt. Gibt es doch, neben der hierzulande nur schwer erhältlichen japanischen Originalfassung, sowohl eine amerikanische wie auch Ausgaben in verschiedenen europäischen Ländern. Wer Gon unbedingt haben wollte, der hatte schon lange die Möglichkeit dazu. Das Zielpublikum scheint also, neben denen, die den kleinen Dinosaurier liebgewonnen haben, besonders außerhalb der Comic-Szene zu liegen.
Und das zu Recht. Gon eignet sich perfekt als Geschenk oder Mitbringsel (wegen seiner nicht selten rabiaten Methoden aber nicht unbedingt für die Kleinsten). Eine große Leserschaft ist ihm nicht nur wegen der unterhaltsamen und oft haarsträubend komischen Handlung zu wünschen, sondern im Besonderen wegen der liebevollen und detailreichen, in Schraffurtechnik ausgeführten Zeichnungen. Dieser erfrischend antiquierte Stil lässt ihn weit aus dem Einheitsbrei der gegenwärtig erscheinenden Mangas herausstechen.
Gon ist eng verbunden ist mit der Geschichte des Manga in Deutschland. Schon 1994, zwei Jahre nach der Premiere in Japan, erschien hierzulande bei der Edition Kunst der Comics, einem Verlag, den es heute nicht mehr gibt, eine erste Ausgabe. Er zählt somit zu den ersten in Deutschland veröffentlichten Mangas überhaupt. Leider war schon nach vier Bänden Schluss. Also eigentlich doch schön, dass der Carlsen Verlag die insgesamt sieben Bände der in Japan abgeschlossenen Reihe nun in schneller Folge alle zwei Monate veröffentlicht! Angereichert wird der Band mit eigentlich überflüssigen, kurzen redaktionellen Texten zu den einzelnen dargestellten Tieren. Am Ende des Bandes findet sich eine textliche Zusammenfassung jeder Episode. So ganz vertraut man der Kombinationsgabe der Leser dann wohl doch nicht?!

