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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 17:26

Masashi Tanaka: Gon 1

18.11.2010

Kleiner Dino auf großer Tour

Masashi Tanaka berichtet in seinem Manga Gon von den Abenteuern eines kleinen Dinosauriers. Ganz ohne Worte! Durchaus „lesenswert“ findet CHRISTOPHER FRANZ.

 

Die Handlung ist schnell erzählt: Der Leser begleitet einen niedlichen, weil kleinwüchsigen oder vielmehr noch nicht ausgewachsenen Tyrannosaurus Rex bei seiner Reise rund um den Globus. Mal sieht man ihn in Alaska im Wettstreit mit einem Braunbären um die besten Lachse, mal gibt er sich als Steinadlerjunges aus und kommt somit in den Genuss mütterlicher Fürsorge - inklusive Flugübungsstunden! In einer anderen der vier, im vorliegenden ersten Band versammelten Episoden trifft man ihn in der Savanne Afrikas wieder, wo er, durchaus mit unlauteren Methoden, einen altersschwachen Löwen zu Höchstleistungen bei der Jagd antreibt.

 

Gon interessiert sich ganz offensichtlich wenig für den Aufenthalt in seinem natürlichen Lebensraum. Die anachronistische Tatsache, dass er eigentlich längst ausgestorben sein müsste, stört ihn ebenfalls nicht im Geringsten. Der Ursprung seiner Existenz wird dem Leser ebenso wenig erklärt wie die Ursache seiner schier unglaublichen Kraft, die seiner geringen Größe diametral entgegengesetzt zu sein scheint - wenn es ihm danach ist, kann er schon mal einen Bären samt Baum mehrere Kilometer durch die Luft fliegen lassen.

 

Das Ganze ist aber nicht das Ungewöhnlichste an Gon. Seine Geschichten kommen ganz ohne Text aus. Auch die für Mangas sonst so typischen Sound Words fehlen hier vollkommen. Der Zeichner ist  der Meinung, dass es merkwürdig wäre, Tieren Sprache zu verleihen. Die Handlung entwickelt sich demnach aus der Stringenz der einzelnen Bilder und der Mimik der Tiere. Dass das so gut funktioniert, ist überraschend, kennt Gon doch neben seinem fast immer grimmigen Blick eigentlich nur zwei Gesichtsausdrücke: Maul auf und Maul zu.

 

Über die Notwendigkeit der deutschen Übersetzung eines wortlosen Comics

Zuerst mag es verwundern, dass ein deutscher Verlag Gon in sein Programm nimmt. Gibt es doch, neben der hierzulande nur schwer erhältlichen japanischen Originalfassung, sowohl eine amerikanische wie auch Ausgaben in verschiedenen europäischen Ländern. Wer Gon unbedingt haben wollte, der hatte schon lange die Möglichkeit dazu. Das Zielpublikum scheint also, neben denen, die den kleinen Dinosaurier liebgewonnen haben, besonders außerhalb der Comic-Szene zu liegen.

 

Und das zu Recht. Gon eignet sich perfekt als Geschenk oder Mitbringsel (wegen seiner nicht selten rabiaten Methoden aber nicht unbedingt für die Kleinsten). Eine große Leserschaft ist ihm nicht nur wegen der unterhaltsamen und oft haarsträubend komischen Handlung zu wünschen, sondern im Besonderen wegen der liebevollen und detailreichen, in Schraffurtechnik ausgeführten Zeichnungen. Dieser erfrischend antiquierte Stil lässt ihn weit aus dem Einheitsbrei der gegenwärtig erscheinenden Mangas herausstechen.

 

Gon ist eng verbunden ist mit der Geschichte des Manga in Deutschland. Schon 1994, zwei Jahre nach der Premiere in Japan, erschien hierzulande bei der Edition Kunst der Comics, einem Verlag, den es heute nicht mehr gibt, eine erste Ausgabe. Er zählt somit zu den ersten in Deutschland veröffentlichten Mangas überhaupt. Leider war schon nach vier Bänden Schluss. Also eigentlich doch schön, dass der Carlsen Verlag die insgesamt sieben Bände der in Japan abgeschlossenen Reihe nun in schneller Folge alle zwei Monate veröffentlicht! Angereichert wird der Band mit eigentlich überflüssigen, kurzen redaktionellen Texten zu den einzelnen dargestellten Tieren. Am Ende des Bandes findet sich eine textliche Zusammenfassung jeder Episode. So ganz vertraut man der Kombinationsgabe der Leser dann wohl doch nicht?!


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