"I´m looking for a home" (David Byrne)
Investiert hat Gekko in vieles, nur nicht in seine Familie. Durch den jungen Broker Jake Moore (Shia LaBeuf) will Gordon eine Versöhnung mit seiner entfremdeten Tochter Winnie (Carey Mulligan) erzielen. Als der durchtrieben Geschäftsmann Bretton James (Josh Brolin) Jakes Mentor Zabel (Frank Langeella) in den Ruin und zum Selbstmord treibt, sieht Gordon seine Chance gekommen. Er schlägt dem ruinierten Jake einenHandel vor, für das der seine Prioritäten überdenken muss: „Idealism kills every deal.“ vor. Doch Ehrgeiz steht bei Jake höher im Kurs. Die Wall Street hat Gekko zurück.
So wie es nur eine Wall Street gibt, gibt es nur einen echten Wall Street. Im Grunde ist Wall Street 2 keine Fortsetzung, sondern eine andere Geschichte mit anderen Charakteren in einer anderen Ära. Der Mann der zum Prototyp des Bankers wurde, ist nicht mehr Gekko, sondern ein Schatten, der seinen Namen trägt. Manhattans Wirtschaftsdistrikt ist nicht mehr der gleiche. Die Zwillingstürme des World Trade Centers, welche die Finanzwelt wohl am stärksten repräsentierten, sind im Staub der Zeit versunken. Ein Sturm aus Krieg und Terror hat ihn weggeweht. Vielleicht sind alle deshalb näher zusammengerückt, sehnen sich nach zu Hause, Schutz und traditionellen amerikanischen Werten.
Nach der Zeitrechnung des Films ereignete sich der Anschlag auf das World Trade Center in dem Jahr, als Gekko entlassen wurde. Was hat er gefühlt, als das Gebäude gleich einem Symbol für sein Leben in sich zusammenstürzte? Auf den verlassenen Gekko vor dem Gefängnis folgt eine Texttafel und ein Zeitsprung: acht Jahre später. Wie Gordon Gekko vor dem Nichts steht, sein einziger Besitz ein Geldclip ohne Geld und ein Monsterhandy von fast antiquarischem Wert, wie zu einer Familie zurückkehrt, in der sein Sohn an Drogen gestorben ist und seine Tochter ihm daran die Schuld gibt, wie er sich in einer Außenwelt nach AIDS, Internet und 9/ 11 zurechtfindet – das wäre Wall Street 2 gewesen. „Älter werden ist für Weicheier.“, sagt Jakes Mentor Zabel. Abwartende Spekulanten erzielen angeblich an der Börse geringere Verluste. Aber nie den großen Gewinn. Mit Wall Street 2 hat Stone zu lange gewartet.