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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 17:27

 

Pressekonferenz mit Oliver Stone

11.11.2010

,,Die Welt wurde von den Banken betrogen."

 „Wäre Michael hier, würde ich jetzt vor einem vollen Saal sitzen“, sagte Oliver Stone, der ohne seinen an Krebs erkrankten Hauptdarsteller nach Berlin kommen musste. Mit seinen kritischen Kommentaren über die US-Wirtschaft bewies der Oscar-Preisträger, dass er auch allein immer noch für intelligente Provokation gut ist. Von LIDA BACH

 

Wann haben Sie entschieden, einen neuen Wall Street- Film zu drehen?

 

Interessant wurde es nach dem Zusammenbruch des Marktes. 2008 war eine ernste Warnung: ein dreifacher Bypass des globalen ökonomischen Systems - und wir sind immer noch auf Medikamenten. Die Kreditblase ist geplatzt, und es wird wieder passieren. Am Ende des Films haben wir angedeutet, dass es eine neue Blase geben wird.

 

Blasen sind ein zentrales Motiv im Film. Glauben Sie, dass wir uns bereits in einer befinden?

 

Niemand weiß das. Die Tulpenkrise im Holland des 17. Jahrhunderts sah auch niemand voraus, bis sie eintrat. Niemand weiß, wie schlecht es auf dem Markt aussieht. Die ganze Welt könnte in einer Woche im Müll landen. Sogar der Euro könnte in einer Woche im Eimer sein. Das ist die Unsicherheit des modernen Zeitalters. Wenn du älter bist und ein fixes Einkommen willst, gibt es das nicht. Keine Bank der Welt kann das garantieren.

 

Gier ist gut.“ - Stimmen Sie dem zu?

 

Gier ist nun legal. Man kann sich in dieser Welt wieder wie Gekko verhalten. Den amerikanischen Bürgern sind wertlose Anlagen verkauft worden, die als 1A bewertet wurden. Die Welt wurde von den Banken betrogen.

 

Warum ist Gekko so beliebt, obwohl er so schurkisch ist?

 

Er wird bewundert, weil er ein Gewinner ist. Er ist skrupellos und kriegt, was er will. Er ist charmant und gleichzeitig gefährlich. Michael hat das perfekte Gesicht für Gekko. Nach 25 Jahren hat er der Rolle eine neue Dimension verliehen.

 

Wie fühlt sich Michael Douglas?

 

Wenn ich irgendjemanden auf dieser Reise vermisse, ist das Michael. Er besuchte vor drei Wochen die Premiere in New York: er sah großartig aus. Aber er leidet. Es ist nicht einfach für ihn. Sein Gesundheitszustand ist besorgniserregend. Ironischerweise hat der Film die Realität eingeholt, wenn er darin sagt: „Zeit ist ein kostbares Gut.“

 

Kann man Ihrer Meinung nach sagen: „Kapitalismus ist gut.“

 

Ich denke ja. Er muss moderat sein und reguliert werden. Mein Vater sagte mir: Kapitalismus funktioniert nicht auf dem Papier. Kommunismus funktioniert auf dem Papier. Aber in der Realität kann Kapitalismus auf den Markt reagieren. Kein Profit ohne Produktion. Doch die Produktion in Amerika ist zurückgegangen. Heute geht es darum, mehr und mehr Geld zu machen. Die Finanzbetriebe verdienen sehr viel für sich selbst, aber tragen nichts zur nationalen Ökonomie bei.

 

Sie kritisieren stark den amerikanischen Kapitalismus, aber es gibt keine Kritik am europäischen Kapitalismus.

 

Die Banken in Europa spielen dasselbe Spiel. Niemand der Filmcharaktere weiß, was geschehen wird. Gekko ist der cleverste, der flexibelste. Gekko ist brillant und ein Gewinner und das kann er nur sein, weil er entgegen dem Markt vorgeht.

 

Sie haben eine Cameo im Film als Investor. Wie viel Spaß hat ihnen das gemacht?

 

Soviel wie ein Fellkostüm zu tragen.

 

Um einen Film drehen zu können müssen Sie viel kalkulieren und investieren. Wie viel Banker steckt in Ihnen?

 

Ich war nie ein Broker. Mein Vater hat im Finanzsektor gearbeitet und war sehr gut. Ich war zu schlecht in Mathematik. Es ist das reinste Selbstmordunterfangen. Es ist einfacher, Fernsehfilme zu machen.

 

Sehen Sie die Welt heute optimistischer?

 

Die Welt existiert immer am Rande der Dunkelheit. In der ganzen Dichtung, der Kunst gibt es sehr viel Dunkelheit. Jeder Film ist eine Suche nach Wahrheit. Dieser ist nicht so tragisch, wie manche Leute sagen würden. Es ist eine Sittenkomödie. Das System erlaubt einer Verhaltensweise, immer weiter zu gehen. Auf einer anderen Ebene geht es um vertrauen. Vertrauen zwischen den Menschen und die Banken und das von Familienmitglieder ineinander, dass durch das Geld auf die Probe gestellt wird. Wenn das zwischenmenschliche Vertrauen in Frage gestellt wird, wird die ganze Zivilisation in Frage gestellt.

 

Welche neuen Projekte planen Sie?

 

Momentan arbeite ich einer Dokumentation mit dem Titel The untold History of the USA, die 12 Stunden lang wird. Sie reicht vom 1900 bis 2010 und handelt von einem Reich, dass zu einem nationalen Sicherheitsstaat aufgebaut wird.

 

Bild Zeitung Berlin: Herr Stone, warum drehen Sie keinen Film in Berlin? Es hat eine sehr interessante Geschichte, die Sie interessieren könnte.

 

Hey, die Welt ist auch interessant!


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