Wie fühlt sich Michael Douglas?
Wenn ich irgendjemanden auf dieser Reise vermisse, ist das Michael. Er besuchte vor drei Wochen die Premiere in New York: er sah großartig aus. Aber er leidet. Es ist nicht einfach für ihn. Sein Gesundheitszustand ist besorgniserregend. Ironischerweise hat der Film die Realität eingeholt, wenn er darin sagt: „Zeit ist ein kostbares Gut.“
Kann man Ihrer Meinung nach sagen: „Kapitalismus ist gut.“
Ich denke ja. Er muss moderat sein und reguliert werden. Mein Vater sagte mir: Kapitalismus funktioniert nicht auf dem Papier. Kommunismus funktioniert auf dem Papier. Aber in der Realität kann Kapitalismus auf den Markt reagieren. Kein Profit ohne Produktion. Doch die Produktion in Amerika ist zurückgegangen. Heute geht es darum, mehr und mehr Geld zu machen. Die Finanzbetriebe verdienen sehr viel für sich selbst, aber tragen nichts zur nationalen Ökonomie bei.
Sie kritisieren stark den amerikanischen Kapitalismus, aber es gibt keine Kritik am europäischen Kapitalismus.
Die Banken in Europa spielen dasselbe Spiel. Niemand der Filmcharaktere weiß, was geschehen wird. Gekko ist der cleverste, der flexibelste. Gekko ist brillant und ein Gewinner und das kann er nur sein, weil er entgegen dem Markt vorgeht.
Sie haben eine Cameo im Film als Investor. Wie viel Spaß hat ihnen das gemacht?
Soviel wie ein Fellkostüm zu tragen.
Um einen Film drehen zu können müssen Sie viel kalkulieren und investieren. Wie viel Banker steckt in Ihnen?
Ich war nie ein Broker. Mein Vater hat im Finanzsektor gearbeitet und war sehr gut. Ich war zu schlecht in Mathematik. Es ist das reinste Selbstmordunterfangen. Es ist einfacher, Fernsehfilme zu machen.
Sehen Sie die Welt heute optimistischer?
Die Welt existiert immer am Rande der Dunkelheit. In der ganzen Dichtung, der Kunst gibt es sehr viel Dunkelheit. Jeder Film ist eine Suche nach Wahrheit. Dieser ist nicht so tragisch, wie manche Leute sagen würden. Es ist eine Sittenkomödie. Das System erlaubt einer Verhaltensweise, immer weiter zu gehen. Auf einer anderen Ebene geht es um vertrauen. Vertrauen zwischen den Menschen und die Banken und das von Familienmitglieder ineinander, dass durch das Geld auf die Probe gestellt wird. Wenn das zwischenmenschliche Vertrauen in Frage gestellt wird, wird die ganze Zivilisation in Frage gestellt.
Welche neuen Projekte planen Sie?
Momentan arbeite ich einer Dokumentation mit dem Titel The untold History of the USA, die 12 Stunden lang wird. Sie reicht vom 1900 bis 2010 und handelt von einem Reich, dass zu einem nationalen Sicherheitsstaat aufgebaut wird.
Bild Zeitung Berlin: Herr Stone, warum drehen Sie keinen Film in Berlin? Es hat eine sehr interessante Geschichte, die Sie interessieren könnte.
Hey, die Welt ist auch interessant!

