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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 17:38

 

Russland - Im Reich der Tiger, Bären und Vulkane

25.11.2010

Im Reich des russischen Bären

Die Kälte scheint ewig zu währen. Ein Mantel aus Eis und Frost schließt die Flora im Boden ein und lässt das Wasser erstarren. Der Schneesturm, der die schimmernde Eiswüste abschleift, scheint alles Leben aus ihr fegen zu wollen. Blind würde das Flockentreiben die Augen machen, könnten sie sich nicht an die dunklen Steingebilde klammern, die aus dem endlosen Weiß ragen. Doch die Felsbrocken regen sich. Pirscht sich die Kamera von Henry M. Mix in Jörn Rövers bildgewaltiger Naturdokumentation näher, erwacht das scheinbar Leblose. Ihre Kinoreportage Im Reich der Tiger, Bären und Vulkane enthüllt die harsche Schönheit von „Russland“ und seiner Tierwelt in einzigartigen Aufnahmen. Von LIDA BACH

 

Bis unter Minus 50 Grad zeigt das Thermometer hier während des sibirischen Winters. Arktisch sind nur die Temperaturen. Die Tier- und Pflanzenwelt aber existiert nur in Russland. Schütteln die Moschusochsen das Schnee aus ihrer dichten Wolle, spitzen auch die Füchse einen Moment die Ohren. Die gehörnten Kolosse sind keine Gegner für sie; nur die menschlichen Jäger, die noch geschicktere Beutefänger sind als die Schneefüchse. Der Pelz, der sie gegen die klirrende Kälte schützt, droht ihnen zum Verhängnis zu werden. Der wohl eindrucksvollsten Tierart spüren der Regisseur und sein fernab der sibirischen Kälte an der Pazifikküste nach. Den Eisbären auf der Insel Wrangel kam die Filmcrew noch näher, als ihnen lieb war. Ob sie den Amur-Tiger überhaupt vor die Linse bekommen, wissen sie nicht. Nur schätzungsweise 450 Exemplare existieren noch in freier Wildbahn. Putins Versprechen den Lebensraum des kurz vor der Ausrottung stehenden Amur-Tigers „besser zu berücksichtigen“ klingt eher niederschmetternd als hoffnungsvoll. Im Dschungel Ussuriens sind nicht Menschen, sondern Giftschlangen die größte Gefahr.

 

Der Ruf der Wildnis

Tausende Kilometer weiter an der Grenze zur Mongolei herrscht flirrende Hitze von 40 Grad. Bis unter Minus 50 Grad hingegen zeigt das Thermometer während des sibirischen Winters. Arktisch sind nur die Temperaturen. Die Tier- und Pflanzenwelt aber existiert nur in Russland. Die Natur trotzt unerbittlicher Kälte und sengender Sonne. Für ihre eindrucksvolle Kinoreportage über „Russland“ haben Naturfilmer Jörn Röver und Kameramann Henry M. Mix es ihr gleichgetan. Zwei Jahre drehten sie „Im Reich der Tiger, Bären und Vulkane“ über 1.200 Tage unter extremsten Bedingungen. 10.000 Kilometer legten sie mit insgesamt zehn Kamerateams auf ihrer Reise zurück, die sich vom Arktischen Meer bis auf die Insel Fururgelm in der japanischen See führte.

 

Wie viele Stunden es genau waren, kann Mix selbst nur noch schätzen. Der Lohn ist ein faszinierender Einblick in eine raue Welt aus Feuer und Eis. Sprecher Siegfried Rauch verzichtet auf drollige Tierstimmen und anbiedernde Verniedlichung, unter denen zahlreiche Naturdokumentationen heute leiden. Gerade diese Sparsamkeit macht die unbekannte Naturschönheit besonders für ein Kinderpublikum packend – nicht zuletzt, weil „Russland“ daran erinnert, dass eine überwältigende und bedrohte Tierwelt nicht nur in den Weltmeeren und auf fernen Kontinenten zu entdecken ist.

 

Kritischer für die Naturfilmer als Gerölllawinen im Tal der Geysire oder die Vulkane Kamtschatkas, die zu den aktivsten der Erde zählen, war die bedrückende Kontrolle durch Geheimdienst und Behörden. Unterschwellig sind die politischen Konflikte um Russlands Militäraktionen in Georgien und die wuchernde Korruption „Im Reich der Tiger, Bären und Vulkane“ präsent. Röves Verdienst aber ist es, ein anderes Russland ins Bewusstsein der Zuschauer zu rücken, als als das in den Medien gezeigte.


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