Der Ruf der Wildnis
Tausende Kilometer weiter an der Grenze zur Mongolei herrscht flirrende Hitze von 40 Grad. Bis unter Minus 50 Grad hingegen zeigt das Thermometer während des sibirischen Winters. Arktisch sind nur die Temperaturen. Die Tier- und Pflanzenwelt aber existiert nur in Russland. Die Natur trotzt unerbittlicher Kälte und sengender Sonne. Für ihre eindrucksvolle Kinoreportage über „Russland“ haben Naturfilmer Jörn Röver und Kameramann Henry M. Mix es ihr gleichgetan. Zwei Jahre drehten sie „Im Reich der Tiger, Bären und Vulkane“ über 1.200 Tage unter extremsten Bedingungen. 10.000 Kilometer legten sie mit insgesamt zehn Kamerateams auf ihrer Reise zurück, die sich vom Arktischen Meer bis auf die Insel Fururgelm in der japanischen See führte.
Wie viele Stunden es genau waren, kann Mix selbst nur noch schätzen. Der Lohn ist ein faszinierender Einblick in eine raue Welt aus Feuer und Eis. Sprecher Siegfried Rauch verzichtet auf drollige Tierstimmen und anbiedernde Verniedlichung, unter denen zahlreiche Naturdokumentationen heute leiden. Gerade diese Sparsamkeit macht die unbekannte Naturschönheit besonders für ein Kinderpublikum packend – nicht zuletzt, weil „Russland“ daran erinnert, dass eine überwältigende und bedrohte Tierwelt nicht nur in den Weltmeeren und auf fernen Kontinenten zu entdecken ist.
Kritischer für die Naturfilmer als Gerölllawinen im Tal der Geysire oder die Vulkane Kamtschatkas, die zu den aktivsten der Erde zählen, war die bedrückende Kontrolle durch Geheimdienst und Behörden. Unterschwellig sind die politischen Konflikte um Russlands Militäraktionen in Georgien und die wuchernde Korruption „Im Reich der Tiger, Bären und Vulkane“ präsent. Röves Verdienst aber ist es, ein anderes Russland ins Bewusstsein der Zuschauer zu rücken, als als das in den Medien gezeigte.

