Chukotka ist ein Ort kalter Angst. Nicht die Temperatur, sondern die Furcht scheint den Atem in der Luft gefrieren zu lassen. In der Luft liegt auch die radioaktive Strahlung veralteter Gerätschaften, wie der Schatten Tschernobyls auf dem kollektiven Unterbewusstsein Osteuropas. „Shadow of Chernobyl“ lautete der Untertitel des von Pavel gespielten Ego-Shooters „S.T.A.L.K.E.R.“. Verstrahlt ist auch die verbotene Zone in Andrej Tarkowskis gleichnamigem Film. Eine solche Zone ist die Arktis, in der die Bedrohung unsichtbar und zugleich allgegenwärtig ist. Das Bedrohliche ist die Natur selbst, die hier übermächtig ist gegen den Menschen. Vor der gewaltigen Landschaft schrumpft das Individuum zum winzigen Licht. Machtlos gegen die Dunkelheit um ihn wie die Signalleuchte, die auf dem Stationsdach blinkt, gegen die arktische Nacht. Machtlos gegen die Gespenster aus seiner eigenen Erinnerung, wie die Raumfahrer in „Solaris“.
An „Solaris“ erinnere ihn Chukotka, sagte Alexei Popogrebski auf der Pressekonferenz während der Berlinale. Dort lief „Wie ich den Sommer beendete“ unter dem Originaltitel „Krak el prowjol etim letom“ im Wettbewerb. Ein Außenseiterfilm, den die Kritik zwiespältig aufnahm, obwohl sie seine szenische Qualitäten anerkannte. Zu lange fühlte der zurückhaltende Thriller sich an nach zu vielen überlangen Filmen. Zu kalt bei viel zu kaltem Festival-Wetter. Zu zehrend, nachdem die eigene Festivalenergie fast aufgezehrt war. Nicht viele werden das zweistündige Werk ein weiteres mal ansehen – und ein Film, der nicht wert ist, zweimal angesehen zu werden, ist überhaupt nicht wert, gesehen zu werden. Doch „How I ended this summer“ gewinnt mit jedem Sehen. Dies ist die Essenz der an die Werke Tarkowskis erinnernden Stimmung.