Ein Lied in 16 Panels
Prudhomme versucht mit Rembetiko, das Lebensgefühl dieser sich am Rande der Gesellschaft bewegenden Tagediebe einzufangen, wobei er sich stark auf ihren Haschkonsum und ihre musikalischen Darbietungen konzentriert. Mehrere Seiten sind einzig dem Zusammenspiel der Musiker und ihrem Publikum gewidmet, wobei die einzelnen Bilder den Ablauf der Lieder nachempfinden, gestaltet durch Tanz, Gesang und den Einsatz ihrer Instrumente. Die vorherrschende Gruppendynamik in den verrauchten Spelunken wird dabei sehr schön eingefangen.
Das Ganze ist vorwiegend in den dunklen, gedämpften Farben schummriger Kaschemmen und durchzechter Nächte gezeichnet, eingerahmt in das helle Licht des vergehenden und schließlich in das des aufkommenden Tages. Besonders hervorzuheben ist hierbei das Schattenspiel auf den ausdrucksstarken Mimiken der permanent bekifften Akteure. Daneben ist noch positiv zu erwähnen, dass sich der Verlag ein aufwendiges Handlettering geleistet hat.
Rembetiko stimmt ein Hochlied auf die Kraft der Kunst an, dargestellt anhand der auf einen Tag verdichteten Geschichte von fünf befreundeten Musikern. Die Verdichtung verleiht dem Band eine besondere Intensität, aus der er seine Stärke zieht. Diese liegt darin, dass der Leser ständig sehr nah am Geschehen dran ist – ein Eindruck, der dadurch, dass die komplette Handlung einzig durch Dialoge und eine geschickte Bildsprache konstruiert ist, noch verstärkt wird.
Dass das Land, die Leute und der zeitliche Rahmen, in dem die Geschichte spielt, gut eingefangen wurden, verleiht dem Ganzen darüber hinaus Stimmigkeit und Glaubwürdigkeit; Prudhomme scheint gut recherchiert zu haben. So etwas wie den Geist des Rembetiko fängt der Comic allerdings nicht ein, aber das dürfte auch kaum das erklärte Ziel gewesen sein. Dafür macht er jedoch augenblicklich Lust, sich mit dieser Form von Musik auseinanderzusetzen – wofür Prudhomme selbst, im Anschluss an sein Nachwort, einige Vorschläge unterbreitet.
