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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 17:50

 

Filmemacher Gareth Edwards ("Monsters") im Interview

16.12.2010

»Ich liebe postapokalyptische Szenarien.«

Einen Tag bevor Gareth Edwards gesellschaftskritischer Science-Fiction-Thriller Monsters startete, unterhielt sich der Filmemacher im Anschluss an ein Exklusiv-Screening im Berliner Soho House mit dem Publikum über seinen Film. LIDA BACH traf ihn später zum Interview.

 

»Ich habe jede Menge Filme im Kopf, die ich gerne machen würde, wenn ich Glück hätte. Einer davon war immer ein Monsterfilm«, erzählt Edwards. »Seit ich ein kleines Kind war und im Haus meines Großvaters bleiben musste. Er hatte keine Spielsachen für Kinder. Aber was er hatte, war ein Album von War of the Worlds von Jeff Wayne.« (Lächelnd summt er einige Töne aus Waynes Musical-Adaption.) »Das hatte Bilder vom viktorianischen England mit Tripods.«

 

Deine Monsters erinnern an die der Illustrationen und der alten Verfilmung aus den Fünfzigern.

 

»Als ich ein Vierjähriger war, hatte das einen großen Einfluss auf mich. Eines Tages wollte ich diese Bilder auferstehen lassen. Ich dachte mir, wenn ich etwas kopiere, dann das. Abgesehen davon, dass die Wesen in dem Buch Maschinen sind. Aber ich mag das Design des Originalmaterials.«

 

Edwards Passion für sein Metier und den Meisterwerken des fantastischen Genres schwingt nicht nur in seinem Debüt als Kinoregisseur, sondern in jedem seiner Worte mit, als er von seiner Zeit auf der Filmhochschule berichtet.

 

»Es gibt Filme, die sich anbieten, wenn man seine erste Gelegenheit zu drehen bekommt. Eine Menge Leute machen Zombie-Filme. Du kannst einfach deine Freunde weiß schminken, ein bisschen Blut - fertig. Sachen wie ein Film mit riesigen Monstern waren unmöglich.«

 

Hätte nicht Edwards Zimmergenosse während der Zeit auf der Filmhochschule, Spezialeffekte studiert.

 

»Nachdem ich meinen Abschluss gemacht hatte und keinen Job gefunden hatte, dachte ich, wenn ich mit dieser Software umzugehen lerne, könnte ich anscheinend, egal was passiert, eines Tages einen Film machen.«

 

Statt für seine eigenen Filmprojekte begannen die Produzenten sich nur noch für sein technisches Können zu interessieren. Den ersten TV-Film, bei dem er Regie führen durfte, kontrollierten allerdings die Produzenten.

 

»Er hieß End Day. Keine tolle Referenz als Regisseur.«

 

Regie führte Allan Smithee?


»Ich wünschte, er hätte das! Der Film wurde von ProSieben co-produziert. Sie fragten, ob wir Teile davon in Deutschland drehen könnten, um den deutschen Markt anzukurbeln. Mit einem Meteor, der Berlin trifft und Teile davon zerstört. Ziemlicher Mist. Ich möchte den Film nicht mal erwähnen.«

 

Im Gegenzug erinnert die Romanze und der parabelhafte Subplot in Monsters an Genre-Klassikern wie Invasion of the Body Snatchers.

 

»Die schwarz-weiße Originalversion aus den Fünfzigern ist einer meiner Lieblingsfilme. Ursprünglich war es ein B-Movie, aber es wurde so gut, dass man ein A-Movie daraus machte und dem Film richtig herausbrachte. Es erinnert mich an eine filmlange Fassung von Twilight Zone. Ich liebe die Originalfolgen. Die Ideen sind auf vertrackte Weise brillant.«

 

Waren Serien wie The Outer Limits oder Alfred Hitchcock Presents ebenfalls eine Inspiration?


»Ja, beide. Die Twilight Zone-Episode „Two“ mit Charles Bronson handelt von den letzten beiden Menschen auf der Welt, die durch ein zugewachsene, verfallene Stadt ziehen und lernen müssen, zurechtzukommen. In gewisser Weise hat mich das vermutlich beeinflusst. Ich kann nicht erklären, was es ist, doch ich liebe postapokalyptische Szenarien. Postapokalyptische Situationen versetzen uns in die Lage, die Gesellschaft neu aufbauen zu müssen. Das fasziniert mich. Aber nur, wenn ein Mädchen darin vorkommt. Allein könnte man sich gleich umbringen.«  

 

Auch sein nächstes Projekt soll eicn Science-Fiction-Film werden.

 

»Ein postapokalyptisches Epos, angesiedelt in einer menschenleeren Welt.«

 

In Monsters wird die Welt weder von Außerirdischen gerettet, noch muss sie vor ihnen gerettet werden. Stattdessen fragt er, ob die Welt von der neuen Lebensform befreit werden muss.


»Die Situation in einem solchen Fall wäre die gleiche wie im Irak: Die Anzahl der Leute, die durch Militäraktionen zur Bekämpfung der Aliens sterben, wäre viel höher als die Anzahl derer, die durch die Außerirdischen getötet werden. Im Film sind die Aliens auch eine Metapher für wilde Tiere. In diesem Moment wird jemand in Ägypten von einem Hai getötet. Doch deshalb senden wir nicht Truppen los, um alle Haie zu vernichten. Provoziert man Tiere, werden sie reizbar. So ist die Natur. Wir haben den Instinkt der Furcht, dass ein Bär in unsere Höhle kommt. Da unsere Höhlen nun hunderte Meter hoch sind, müssen auch die Tiere größer sein. Die äußere Bedrohung muss unserer Paranoia entsprechen. Darum funktionieren Monsterfilme.«

 

Ist das Monströse Teil der Normalität geworden, hört es auf, monströs zu sein und erhält seinen ursprünglichen Charakter eines Zeichens zurück. Ein solches Zeichen setzen Gareth Edwards Monsters. Gewandelt hat sich auch seine größte Angst.  

 

»Früher die Angst, niemals einen Film zu machen. Heute, einen Film zu machen, den alle für Mist halten.«


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