Der hochintelligente Zappa, ein vorzüglicher Kenner der zeitgenössischen Musik aus dem sogenannten E-Bereich, prägte das Image des Rockfreaks, eine clowneske Camouflage, die im Gegensatz stand zur antihedonistischen Haltung einer in manchen Fraktionen zunehmend dogmatischer werdenden Studentenbewegung. Er war den Anarchisten der Berliner Kommune 1 gewiss verwandter als den Stubenhockern der K-Gruppen. Zappa produzierte Musik von bis dahin im U-Bereich unbekannter rhythmischer und harmonischer Komplexität. Diese Songs konnte man nicht sogleich nachsingen, und zum Tanzen waren sie nur bedingt geeignet. Dafür boten sie Texte, denen zuzuhören lohnte. Sie brachen gesellschaftliche und sexuelle Tabus, nutzten parodistische und satirische Verfahren, berauschten sich an der klanglichen Qualität von Sprache.
Als Komponist ist Frank Zappa unterschätzt worden. Sein provokant witziges Auftreten sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass manche seiner Kompositionen raffinierter und komplexer sind als die vieler Zeitgenossen aus der Schublade E-Musik. Es ist kein Zufall, dass Edgar Varèse von Zappa verehrt wurde.
In dem Song Mom and Dad auf der Konzept-LP mit dem auf Randy Newman vorausweisenden sarkastischen Titel We're Only In It For The Money spricht Zappa (in der Übersetzung von Carl Weissner) eine Mama so an: »Hast du dir je die Zeit genommen / Mal ein echtes Gefühl zu zeigen / Zwischen der Feuchtigkeitscreme / Und der Lotion für samtigen Teint? / Hast du je zu deinen Kindern gesagt / Du bist froh, dass sie sich ihre eigenen Gedanken machen?«
So war das damals. Heute wäre Frank Zappa 70 Jahre alt geworden. Er ist aber schon seit 17 Jahren tot. Kann man sich dieses Genie als Siebzigjährigen vorstellen? Und will man das überhaupt?
