Als befürchte der Regisseur und Drehbuchautor, der Zuschauer könne schon nach dem Vorspann einnicken, wird er mit Kanonendonner geweckt. Nicht minder vollbrüstig lamentiert der zukünftige Freischütz Max (Michael König) über sein Missgeschick beim Wettschießen. Damit keine Note dem Ohr entgeht, läuft die Pressevorführung in oberster Lautstärke. Ein Freund der leisen Töne ist auch Neubert nicht. Der Jägersbursch´ Max wird zum Feldjäger im napoleonischen Krieg. Die einen schießen zum Vergnügen, die anderen schießen sich tot. Doch die Zielunsicherheit der Hauptfigur auf ein Fronttrauma zurückzuführen ist der Verfilmung zu viel Psychologisieren.
Träume sind hier nicht Produkt des Unterbewusstseins, sondern handfeste Vorzeichen. Ein solches streckt Max´ Verlobte Agathe (Juliane Banse) nieder, als ein Ahnenbild von der Wand fällt. Agathes an ein Einschussloch erinnernde Wunde mahnt überdeutlich an ihr drohendes Schicksal. Um die Tochter des Erbförsters Kuno (Benno Schollum) zu heiraten, muss Max nach altem Brauch den wohlhabenden Kilian (Olaf Bär) beim Zielschießen besiegen. Überredet von seinem Gefährten Kaspar (Michael Volle) gießt Max magische Freikugeln: »Sechse treffen, sieben äffen.«
Die Siebente führt der höllische Samiel wohin er will. Die im Libretto beschriebene »romantisch schöne Gegend« steigert die geschraubte Inszenierung zu verbrämter Theatralik. Dazwischen dröhnt Melodramatik. Hier wird nicht geschlafen, scheint Neubert zu rufen. Es wird darnieder gelegen und geruht. Agathe rastet, malerisch drapiert wie das Rosengesteck auf ihrem Nachttisch. Weh, wird die zarte Knospe vor dem Erblühen in der Ehe gebrochen? Einen Rosenanhänger trägt Agathe auch um den Hals. Die blauen Blumen neben ihrer blau gekleideten Kameradin Ännchen (Regula Mühlemann), ein Rosenanhänger um Agathes Hals - dies sind hübsche, nur in der Verfilmung mögliche Details, doch zu naiv, um cineastisch zu überzeugen.