Schlachter, geboren 1859, war ein leidenschaftlicher Altsprachler. Er las das Neue Testament mit Vorliebe im altgriechischen Original und beherrschte auch Hebräisch, die Sprache des Alten Testaments. Die nötigen Kenntnisse hatte er sich auf einer Predigerschule in Basel angeeignet. Zuvor hatte er das Gymnasium abbrechen müssen, weil seine Eltern das Schulgeld nicht aufbringen konnten. Neben dem sprachlichen Talent hatte er aber auch eine schriftstellerische Ader. In mehreren Büchern und zahlreichen Beiträgen für seine eigene Zeitung, die »Brosamen«, legte er die Bibel aus und verfasste Reiseberichte, biografische Skizzen und Artikel über das Zeitgeschehen.
Er stammte aus einer Kaufmannsfamilie in Mülhausen im Elsass. Als Jugendlicher kam er nach Basel und begann nach dem Schulbesuch eine Glaser- und Kaufmannsausbildung. 1875 hörte der junge Protestant mehrere Erweckungspredigten aus dem Umfeld englischer freikirchlicher Bewegungen, bekehrte sich bewusst zum christlichen Glauben und entschied sich für die Predigerlaufbahn. 1882 wurde er bei der pietistischen Evangelischen Gesellschaft des Kantons Bern angestellt und 1890 als Prediger nach Biel entsandt. Dort begann seine publizistische Arbeit. 1883 hatte er das Schweizer Bürgerrecht erhalten.
Schlachter wird die Gabe bescheinigt, Menschen durch seinen lebendigen Predigtstil anzuziehen und zu erreichen. Dabei war ihm wichtig, seine Zuhörer ebenfalls zu einem persönlichen Glaubensschritt herauszufordern. Seine christliche Botschaft war immer klar und deutlich. Bei seiner Übersetzungsarbeit versuchte er sich zunächst an einzelnen biblischen Büchern wie Hiob oder Jesaia. Auch dabei ging es ihm zentral um gute Verständlichkeit dieses antiken Werks, wobei aber der Sinn der einzelnen Verse, die biblische Botschaft in ihrer vollen Bedeutung erhalten bleiben sollte.
Ein Beispiel: Im Lukasevangelium (Kapitel 7, Vers 29) heißt es: »Und das ganze Volk, das zuhörte, und die Zöllner rechtfertigten Gott ...« Schlachter benutzt stattdessen die Wendung: »... die Zöllner gaben Gott recht ...« Oder Paulus schreibt im ersten Kapitel des Kolosserbriefs (Vers11) laut Schlachter: »(Deshalb hören wir nicht auf, für euch zu beten, gestärkt) zu allem standhaften Ausharren ...« In anderen Versionen steht da häufig »Geduld«, doch er wählt eine Formulierung, die die Anstrengung des Apostels verdeutlicht. Soweit griechische oder hebräische Begriffe mehrere Bedeutungen haben oder eine exakte deutsche Entsprechung fehlt, gibt er dies in Fußnoten an. In einem gewaltigen Arbeitspensum übersetzte er bis 1905 die gesamte Heilige Schrift. Freunde der Schlachter-Bibel nannten sie »die beste Luther-Revision«.