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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 18:05

Christian Rossi: Der Planwagen des Thespis 1: Shakespeare und Muerte Kid

20.01.2011

The Comic That Wasn´t There

Nach einer geringfügigen Verspätung von 28 Jahren und mehreren abgebrochenen Versuchen erscheint nun der Vierteiler Der Planwagen des Thespis von Christian Rossi doch noch vollständig auf Deutsch. Der Piredda-Verlag hat sich erbarmt. Aber, findet MATTHIAS ROSS, man hätte es auch lassen können.

 

Die Reihe Der Planwagen des Thespis blickt in Deutschland auf eine recht komplizierte und unglückliche Publikationsgeschichte zurück. Während in Frankreich der erste Band 1982 erschien und die Reihe bereits sechs Jahre später abgeschlossen war, fand der Comic in Deutschland lange keinen Verleger. Anno '87 versuchte sich schließlich der Adlib-Verlag daran, doch leider war dem Verlag kein langes Leben beschieden; er schloss kurz darauf und hatte keine Gelegenheit mehr, die Folgebände zu veröffentlichen. Nicht viel besser erging es Feest, der die Reihe übernahm und '90 den zweiten Teil veröffentlichte. Der Verlag ging in Ehapa auf, und seitdem hat man vom Planwagen des Thespis nicht mehr viel gehört.

 

Schade!

... denkt man im ersten Moment – die Geschichte, die Christian Rossi sich ausgedacht hat, klingt doch eigentlich gar nicht schlecht: 1864, der amerikanische Bürgerkrieg tobt. Für die Südstaaten stehen die Dinge nicht gut, immer jüngere Männer müssen zum Dienst an der Waffe eingezogen werden. Der junge Drustan weigert sich, es kommt zu einem Handgemenge und ein Rekrutierungsoffizier stirbt. Drustan muss fliehen und findet Unterschlupf bei der reisenden Theatertruppe eines gewissen Hermes. Dieser selbstverliebte Theaterdirektor hat vor, in den Westen aufzubrechen und dem raubeinigen Menschenschlag dort die Kultur Shakespeares näher zu bringen. Ein Vorhaben, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt erscheint ...

 

Diese Reihe ist einer der Fälle, die es einem Rezensenten schwer machen: Einen tollen Comic kann man hoch loben, einen schlechten verdammen. Noch besser sind Arbeiten, die sowohl gute als auch Schattenseiten haben – hier kann man auswälzen, was gefällt und was nicht, kann darüber philosophieren, was überwiegt, die Vorteile oder die Nachteile. Der Planwagen des Thespis hat aber leider weder das eine noch das andere – es ist, als wäre der Comic gar nicht da.

 

Nichts Greifbares

Die Idee ist, wie schon gesagt, nicht wirklich übel, aber ihre Ausführung wirkt ein wenig lustlos. Es gibt zwar keine himmelschreienden Löcher in der Handlung, dennoch mangelt es an Kohärenz, typische Westernszenen reihen sich aneinander: Ein Kavalleriegefecht, der obligatorische Überfall einer Gangsterbande auf ein Dorf, eine Büffeljagd. Der Plot plätschert von einem Ereignis zum nächsten, ohne dass man hinterher sagen könnte, wie das eine jetzt zum anderen geführt hat: Dinge passieren halt, könnte man es zusammenfassen. 

 

Auch die Figuren sind an sich mehr oder wenig schlüssig, jedoch weit davon entfernt, zu überzeugen oder gar interessant zu sein. Keine von ihnen lädt zur Identifikation ein. Zu holzschnittartig sind sie ausgeführt. Man hat sie alle schon mal gesehen und meistens auch schon mal besser: den rebellischen Jugendlichen, den griesgrämigen Ganoven mit dem Herzen aus Gold und den Sonderling à la Roy Bean, in diesem Fall den Theaterdirektor, aus dem man nicht so richtig schlau wird.

 

Das Artwork, ebenfalls von Christian Rossi, ist solide, erinnert ein bisschen an Jean Giraud und Leutnant Blueberry, hat aber nicht den Ehrgeiz, dessen Experimente mit Paneldesigns und neuen Erzählformen nachzuvollziehen. Vom Entwickeln eines eigenen Stils wie später in den Reihen W.E.S.T. und Jim Cutlass ist Rossi noch weit entfernt. So bleibt eine ziemlich leere Leseerfahrung, der die markanten Momente abgehen, die eine gute Geschichte braucht. Der Planwagen des Thespis ist ein Comic, den man schon vergessen hat, während man ihn noch aus der Hand legt. Western-Enthusiasten sollten lieber zum zwanzigsten Mal zu einem abgegriffenen Leutnant Blueberry- oder Lucky Luke-Album greifen, das man schon auswendig kennt. Man hat einfach mehr davon.


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