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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 18:15

BERLINALE Forum - Kazoku X (Household X )

03.02.2011

Home Alone

Ein Familienfoto. Mutter, Vater und der jugendliche Sohn. Ein ganz normaler Haushalt. Irgendein Haushalt. Kazoku X – Household X. Ein hübsches kleines Haus in einer japanischen Vorstadt. Ein Platz für alles, und alles an seinem Platz. So ähnlich war das Sprichwort. Präzise arrangiert die Mutter die Platzdecken für das gemeinsame Abendessen. Zentimetergenau, millimetergenau. Alles muss perfekt sein. Dreimal dreht sie die Topfpflanze zurecht. Jedes Detail muss ins richtige Licht gerückt werden. Dann beginnt das Warten. Allein im Haus. Von LIDA BACH

 

»Es gibt so viele neue Dinge zu lernen«, sagt ein Kollege. Der Satz klingt fröhlich, nach Spannung und Neugier. Aber der Tonfall ist es nicht. Aus der Stimme spricht Furcht und traurige Resignation. Der Vater antwortet nicht. Heute konnte er einem Mitarbeiter bei dessen Computerproblemen nicht helfen. Die Firma darf nicht glauben, er bewältige seine Arbeit nicht. Jetzt schon hat man ihm einen anderen Platz im Büroraum zugeteilt. In der Zigarettenpause reden die anderen bereits über ihn. »Es ist genauso, als ob man ihn feuert. Von dort kann er nicht kommunizieren.« Kommunizieren ist anstrengend, aber es muss sein, um nicht aufzufallen. »Das Leben ist hart, nicht wahr?«, fragt der Kollege wieder. »Ja«, antwortet der Vater. Dann beginnen die Überstunden. Allein im Büro.

 

Happy Together

Der Sohn reagiert nicht, als die Nachbarin ihn grüßt. Er geht weiter ins Haus. »Er arbeitet so viel«, erklärt die Mutter. Im Haus ist alles perfekt. Unvollkommenes stört hier. Der neue Wasserspender blubbert ständig, als würde das gekühlte Trinkwasser darin kochen. Als brodelte es in der Kälte unter der Glasglocke. »Du hättest ihn besser nicht kaufen sollen«, sagt der Sohn zur Mutter. Die Nachbarin hat zu ihr von ihrem Wasserspender gesprochen. Und von dem Wasserspender einer dritten Nachbarin. Nur darum hat sie ihn gekauft. Um nicht aufzufallen. Der Sohn reagiert nicht, als die Mutter fragt, ob er wieder nichts isst. Er geht weiter in sein Zimmer. Dann beginnt das Leben hinter der Tür. Allein im Zimmer.

 

Die Mutter liegt allein wach. Der Vater isst allein. Der Laptop von seiner Arbeitsstelle stößt einen unerträglichen Dauersignalton aus. Unter dem tadellosen Gehäuse muss eine gravierende Fehlfunktion bestehen. Einmal wartet die Mutter im Wohnzimmer, bis der Vater heimkehrt. »Du hättest nicht auf mich warten sollen«, sagt der Vater. Manchmal weint die Mutter. »Wirst du nicht müde, anderen etwas vorzuheulen?«, fragt der Sohn.

 

»Ich hoffe, dass Household X ein Film sein wird, der die Menschen fähig macht, zu erkennen, wie wichtig es ist, eine Familie zu haben und nicht allein zu sein«, sagt Yoshida Koki. Verwandte und eine Familie sind nicht dasselbe. Ein Haushalt und ein Heim sind nicht dasselbe. Zusammensein und Alleinsein sind das selbe in Haushalten wie Kazoku X. Wenn die Türen im Household X sich schließen, ist es, als läge eine Unendlichkeit zwischen den Figuren. Endlos blickt die Mutter die Wände und Türen an, als könnte sie sie niederstarren, hindurch schauen, um den anderen wenigstens auf diese Art nah zu sein. 

 

Eine Szene brachte Koki während der Dreharbeiten zum weinen. Er glaubte, seine Perspektive sei der des Sohnes nahe. Aber er hatte sich geirrt. Sein Kinodebüt ist falsch im Berlinale Forum. Manche Filme gehören nicht in Festivalsektionen. Sie gehören in den Wettbewerb.

 

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Eine sehr schöne Rezension zu diesem Film - ich freue mich, dass er auch von anderen geschätzt wurde, denn die Reaktionen im Kinosaal waren ja eher verhalten. Ich habe auch etwas dazu geschrieben: http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/oasien/blog/?p=7824 Liebe Grüße!
| von Modernes Japan, 24.02.2011

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21.06. Leipzig, UT Connewitz
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