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BERLINALE Panorama - Amador

05.02.2011

Teile des Puzzles

Eine Frau ohne Geheimnisse ist wie eine Blume ohne Duft, sagte Maurice Chevalier. Das Geheimnis Marcelas heißt Amador. Gleich dem Schauspieler und Sänger stimmt Fernando Leon de Aranoa ein Lied auf die Rätsel der jungen Bolivianerin an. Kein beschwingtes Chanson, sondern ein traurig-zartes Cantar. LIDA BACH lauschte auf der Berlinale den verborgenen Töne des filmischen Gedichts.

 

Die Rosen duften nicht, sagt Nelson (Pietro Sibille). Die Blumen, die Marcelas Freund stiehlt, müssen parfümiert werden, bevor sie weiter verkauft werden können. Den echten Rosenduft zu erkennen, ist Nelson unfähig. So wie er von den Gefühlen und Geheimnissen Marcelas nichts ahnt. Eines von Marcelas Geheimnissen, die Aranoas unter der verschlossenen Oberfläche des Mädchens  durchschimmern lässt, ist das Leben, das andere der Tod. Das Leben gehört dem Kind, dass die junge Bolivianerin erwartet. Der Tod ist der Tod von Amador. Amador (Celso Bugallo) heißt der todkranke Titelcharakter des melancholischen Dramas des spanischen Regisseurs. Aus Geldnot pflegt die junge Bolivianerin Marcela den bettlägerigen Vater der wohlhabenden Yolanda (Sonia Almarcha).

 

Beredtes Schweigen, verschwiegene Gefühle

Niemand spricht mit Amador, der seine letzten Tage damit zubringt, tausendteilige Puzzles zusammen zu legen. Mit niemandem spricht Marcela. Wenn sie redet, dann mit sich selbst. Zuerst inszeniert sie die tragisch-komischen Phantasie-Gespräche während der Hausarbeit, damit Amador glaubt, ihr Freund rufe Marcela an. Nelson indes hat längst eine andere, und Marcela spielt die Gespräche den Nachbarn vor, damit niemand merkt, dass Amador keine Pflegerin mehr braucht. Um ihr Einkommen nicht zu verlieren, verschweigt Marcela Amadors Tod.

 

Ein Hauch von magischem Realismus begleitet die einfühlsamen menschlichen Zwischentöne, die das komisch-traurige Figurenspiel zu einer Filmperle machen. Eine Perle Ewigkeit ist der deutsche Verleihtitel des peruanischen Dramas La Teta Asustada. Ihr eindringliches Charakterporträt darin gewann der Hauptdarstellerin Magaly Solier auf der Berlinale 2009 den Goldenen Bären. Ihr zurückgenommenes Spiel trägt über kleine Längen in der Handlung hinweg. Die Straßen des sommerlichen Madrid schimmern abweisend und diesig, wenn der Blick der Protagonisten und der Kamera darüber gleitet. So kühl gibt sich die Stadt, dass in brütender Sommerhitze Amadors Leichnam wochenlang nicht verwest. Mit subtiler Ironie deutet das unscheinbare Drama eine übersinnliche Erklärung dafür an.  

 

Eines der Teile von Amadors Puzzle findet Marcela in seiner erstarrten Hand. Warum ein Bild zerstört werden muss, um es wieder zusammenzufügen, fragt Marcela. Die Puzzles und die Rosen, deren Blüten zerstört werden, um daraus Blumen-Duftspray herzustellen, symbolisieren das falsche und richtige Zusammenfügen im Leben. Ihre Verantwortung sei es, jedes Teil an seinen richtigen Platz zu fügen, erklärt der Sterbende. Ein zerschnittenes Bild ist auch Marcelas Leben, mit einem ungewollten Kind, einem untreuen Freund und einer unsicheren Zukunft. Doch sie wird sich ihren eigenen Platz suchen. 

 

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Nur eine Korrektur des Textes, bitte: "La Teta Asustada" ist kein argentinisches Drama, sondern peruanisches. Mit freunslichen Grüssen
| von Isabel aus Peru, 12.02.2011
Entschuldigung: Mit freundlichen Grüssen Danke
| von Isabel aus Peru, 12.02.2011
Herzlichen Dank für die Anmerkung! Wir haben den Passus nun korrigiert ... Es grüßt
| von Die Redaktion, 12.02.2011

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