Programmatische Platte »The End of Silence«
Mit der Rollins Band entwickelte sich der ausgewiesene Musikkenner und manische Plattensammler konsequent weiter. Die Musiker bewegten sich nun im weiteren Raum des Hardrock-Genres; Rollins verbesserte seinen Sprachrhythmus und die Artikulation, brachte sogar Jazzelemente in die Stücke ein und experimentierte schließlich mit souligen Backgroundsängerinnen. Während er sein 1993er Album noch programmatisch The End of Silence nannte, war die letzte in Deutschland veröffentlichte Platte – freilich mit neuer Begleitband Mother Superior – Nice betitelt und für die alten Fans durchaus gewöhnungsbedürftig.
Inzwischen ist Rollins gut im Geschäft: Er ist Plattenproduzent, Buch- und Blogautor, hat seine eigene Fernseh- und Radioshow, tritt mit kleinen Rollen in Filmen etwa von David Lynch auf und ist Menschenrechts-Aktivist. Die Musikzeitschrift SPEX verlieh ihm folgerichtig, wenn auch leicht ironisch den Titel: »Held der Arbeit«. Nach wie vor genießt er aber Glaubwürdigkeit und gilt als einer der härtesten Acts der Independent-Szene – vor allem live. So gestand er im Bayerischen Rundfunk:
Für mich sind Platten nichts als ein Ticket für die Tour. Es gibt Bands, die lieben es, im Studio aufzunehmen, und hassen es zu touren. Ich habe großartige Shows von Bands gesehen, die trotzdem nichts anders wollten, als nach Hause zu fahren. Es war ihnen zu langweilig, sechs Wochen lang dasselbe zu spielen. Die waren nicht faul, die wollten was Neues machen. Ich hasse es, im Übungsraum zu sein, im Studio aufzunehmen, und ich hasse es, Songs zu schreiben. Okay, wir brauchen neue Stücke, also mach’ ich’s. Aber ich lebe dafür, auf der Bühne zu stehen.
