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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 18:32

BERLINALE Wettbewerb - The Prize (El premio)

14.02.2011

Dunkler Sieg

»Mein Vater verkauft Vorhänge, meine Mutter ist Hausfrau.« In der neuen Schule beschreibt die kleine Ceci (Paula Galinelli Hertzog) ihr Zuhause, wie es ihr die Mutter (Sharron Herrera) aufgetragen hat. Manchmal muss sie dabei kichern. In Wahrheit ist ihr Vater kein Händler in Buenos Aires ... Von LIDA BACH

 

Aber schön wäre es, dann würde er vielleicht schreiben. Doch von dort, wohin die Menschen gehen, die verschwinden, kommen keine Briefe. Das Telegramm, das eintrifft, macht ihre Mutter traurig, so wie ihre Spiele nicht immer lustig sind. In den Dünen um das verfallene Küstenhaus, das der Handlungsort von Paula Markovitchs El premio – The Prize ist, vergraben Mutter und Tochter Bücher. Wie die Piraten, von denen Cecis Schulfreundin Lucia (Laura Agorreca) erzählt.

 

Wenn der Preis für den besten Schulaufsatz an Ceci ginge, würden Laura und die anderen Kinder klatschen. Und Ceci dürfte die neuen Schuhe der Tochter ihrer Lehrerin (Viviana Surantini) tragen, wenn sie auf der Zeremonie vor den Soldaten marschiert. Von der Arme und den Soldaten soll auch der Aufsatz handeln. Den Schulkindern haben sie heiße Schokolade gebracht, als sie zu dem Aufsatzwettbewerb zu Ehren der Regierung aufgerufen haben. Aber Ceci schreibt, was sie zu Hause über das Militär gehört hat: »Die Armee ist böse. Die Soldaten sind verrückt, sie haben meine Cousine getötet.« Ihr Aufsatz weckt die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen und Ceci lernt, was »der Preis« für die Wahrheit ist ...

 

Das Mädchen und das Meer

Das Unausgesprochene, die Geheimnisse kämpfen in der harschen Umgebung erbittert um Gehör. »Das Meer ist verrückt und die Wellen haben viele Schwestern«, erzählt Cecilia ihrer Mutter. Das Brausen von Wellen und Wind wird zu einem natürlichen Instrument in der dissonanten Filmmusik. Aus dem Aufbäumen der Natur schreit das Leid und die Furcht der Menschen, die stumm bleiben müssen. »Die Möwen schreien, weil sie Angst davor haben zu fallen«, glaubt Ceci. Unwirtlich und karg ist die freudlose Küstenlandschaft, die sich gegen ihre menschlichen Bewohner zu wehren scheint. Das beklemmende Drama erweckt Markovitchs eigene Kindheit. In der harschen Welt haben Abweisung und Kälte die zwischenmenschliche Wärme fast abgetötet. Kein Ort für Kinder, kein Ort zum Leben. Wohnhäuser sind hier kaum mehr als Baracken, deren vergitterte Fenster und Türen an die Folterkammern und Gefängnisse des Militärregimes erinnern.

 

»Wer sollen wir sein in einer Welt so voller Verwirrung und Angst?« Seid ihrer Kindheit verfolgt Paula Markovitch die Frage. In den spukhaften Szenen von El Premio trägt die argentinische Regisseurin sie nach außen. Der Preis des besten Wettbewerbsfilms könnte ihr dafür gebühren, denn dass ein anderer Beitrag noch bedrückender und intensiver ist, scheint kaum möglich. Nicht wenige der Zuschauer kapitulierten vor der quälenden Selbstprüfung der jungen Protagonisten, an deren Ende keine Reifung, sondern nur eine seelische Verstümmelung stehen kann. Vielleicht ist das Unverständnis der Preis, den Markovitchs meisterliches Seelendrama fordert.

 

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