Das Objekt der Begierde
Vergebens sucht man im Comic nach einem titelspendenden Gaucho. Obgleich die Rahmenhandlung, die sogenannte Ticonderoga, Menschen in der Steppe Argentiniens zeigt, dient diese Szene doch allein dem greisen Helden als Bühne, um von seiner Vergangenheit zu berichten. Eine Retrospektive, die zwar mit den Worten „Ich kann mich nicht mehr genau erinnern“ eingeleitet wird, dann aber en detail die Handlung sowohl erzählerisch wie auf grafisch wiedergibt. Von den komplexen Verstrickungen der Logen, die die Invasion planen, bis hin zur Darstellung der Takelage und des argentinischen Dschungels, den Manara nie selbst zu Gesicht bekommen hat. Manaras Zeichenstil widerspricht der von Pratt gewählten Erzählform.
Schleppend schwer wie die britische Flotte lesen sich die Dialoge. So kommt El Gaucho langsam in Fahrt, nur um immer wieder von Sexszenen unterbrochen zu werden. Bis auf eine drei Seiten überspannende Tanzszene geht Manara recht explizit zu Werke und scheut auch nicht davor zurück eine Vergewaltigung zu zeigen.
Handlung und Sexualität kreuzen sich in El Gaucho unentwegt, doch gelingt es Pratt und Manara nicht, beide Stränge zu vereinen. Sie zeigen keine Parallelen auf, die die Behandlung des weiblichen Körpers in der dargestellten Art und Weise rechtfertigen würde. So bleibt die Frau in El Gaucho leider nur pornografisches Beiwerk in einem mittelmäßgigen Comic.
