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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 18:33

BERLINALE Wettbewerb - Schlafkrankheit

15.02.2011

The Big Sleep

Manchmal gebührt während der Berlinale der Preis nicht dem Filmschaffenden, sondern den Kritikern, die sein Werk durchstehen. Ein solcher Fall ist Ulrich Köhlers Wettbewerbsbeitrag. Früh um 9 begann die Pressevorführung zu dem psychologisch-metaphysisch verbrämten Drama, an dem der Titel Schlafkrankheit das einzig Gelungene scheint.

 

»Ich habe gute Medizin, um dich wach zu machen«, verspricht ein Straßenhändler in Kamerun. Der Arzt Ebbo Velten (Pierre Bokma) betreibt hier eine Krankenstation, auf der die Schlafkrankheit behandelt wird. Während der Jahre in Afrika hat er sich seiner europäischen Heimat entfremdet. Mit seiner Frau Vera (Jenny Schily) und der jugendlichen Tochter Helen (Maria Elise Miller), die ihn im Dschungel besuchen, verbindet ihn nichts mehr. Die Schlafkrankheit scheint sich als psychische Last auf die Seele Veltens gelegt zu haben und ihn in einen symbolischen Schlaf der Lethargie zu drücken. Jahre später, die auch gefühlte Jahre im Kinosaal sind, kehrt der Regisseur und Drehbuchautor zu seinem müden Protagonisten zurück, begleitet von einem jungen Mediziner, der den Nutzen des Projekts zur Behandlung der Schlafkrankheit bewerten soll.

 

Konturlos

Den zweiten Part seiner cineastischen Schlafkrankheit beginnt Köhler mit schleppenden Konversationsszenen zischen dem jungen Arzt Alex Nzila (Jean Christophe Folly) und dessen Kollegen an einem Pariser Institut, das Veltens Projekt evaluieren soll. Vage scheint es, der kamerunische Familienhintergrund solle den gebürtigen Franzosen Nzila als Spiegelbild des zwischen zwei Welten gefangenen Velten etablieren. Doch die Parallelen der Figuren bleiben zu dünn für einen psychologischen Subplot. Dramaturgisch bleibt der durch das Heimatland seiner Vorfahren wie ein Fremder irrende Nzila ein Schemen. Noch konturloser als er wirkt der veränderte Velten, der im Dschungel zu einem Schatten seiner selbst geworden ist. Niemals habe er so werden wollen, bekennt er gegenüber Nzila einmal während einer nächtlichen Jagd am Lagerfeuer. Ob sich seine Worte auf den Arzt selbst oder seinen Begleiter Gaspard (Hippolyte Girardot) beziehen, bleibt unklar.

 

Gaspar, Vera, Helen, Nzila - seine zahlreichen Charaktere führt das müde Drama nur ein, um sie unbegreiflich ins Nichts verschwinden zu lassen. Dorthin folgt als letzter auch Ebbo Velten. Statt seiner tritt ein Nilpferd aus dem Urwald. Ob sein Hauptprotagonist in Tiergestalt nun eins mit dem Dschungel ist, vermag Köhler nicht zu sagen. Wer das Nilpferd sei, sagt der Regisseur, wisse er nicht: »Leider hatte ich keine Gelegenheit es zu fragen.«

 

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