Im Lebensweg des heute vor 85 Jahren in Mittweida bei Chemnitz geborenen Autors spiegelt sic«h exemplarisch die leidvolle jüngere deutsche Geschichte. Gleich zwei totalitäre Regime hinterließen ihre Spuren: Als Jugendlicher wurde er von den Nazis »verführt« und 1943 für eine Freischärlerbewegung angeworben. Diesen Fehltritt wollte er in den Gründerjahren der DDR durch besondere Linientreue kompensieren, doch die Ausschreitungen des 17. Juni 1953 führten bei ihm zu einer abrupten ideologischen Wende. Erich Loest, der Hemingway, Fontane und Böll als seine Vorbilder bezeichnet, war zu dieser Zeit (zuvor war er drei Jahre bei der Leipziger Volkszeitung tätig) bereits ein respektierter, linientreuer Autor, weilte in seiner Funktion als Vorsitzender des Leipziger Schriftstellerverbandes in Ost-Berlin und wurde selbst Augenzeuge der Gräueltaten. Er gehörte zu den vehementen Kritikern nach dem blutig niedergeschlagenen Ungarn-Aufstand und wurde wie viele andere oppositionelle Intellektuelle inhaftiert und zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt, die er im berüchtigten Zuchthaus Bautzen absaß.
Die eigene bewegte Vita und seine Bodenständigkeit hat der Jubilar, der 2009 mit dem deutschen Nationalpreis ausgezeichnet wurde, stets als Eckpfeiler für die schriftstellerische Arbeit genutzt. Seine Wahlheimatstadt Leipzig war in vielen Romanen (u.a. Völkerschlachtdenkmal, Nikolaikirche, Reichsgericht) der Handlungsort. Dementsprechend groß war Loests Freude, als ihm anlässlich seines 70. Geburtstags die Ehrenbürgerwürde der Stadt Leipzig verliehen wurde: »Diese Auszeichnung ist das größte, was ich mir vorstellen kann.«
Mit detektivischer Akribie (unter dem Pseudonym Hans Walldorf hat er etliche Kriminalromane geschrieben, 1988 schuf er gar ein Tatort-Drehbuch) hat sich Loest zum Chronisten des Alltags aufgeschwungen. Eine möglichst große Authentizität war ihm stets wichtiger als der geschliffene Stil.