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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 18:43

Saverio Tenuta: Die Legende der scharlachroten Wolken

17.03.2011

Big in Japan

Die japanische Samurai-Kultur begeistert; so komplex, so kultiviert und dabei so herrlich archaisch blutig! Auch Saverio Tenuta huldigt mit seinem Vierteiler Die Legende der scharlachroten Wolken dem Hype, bastelt sich aber aus den Versatzstücken einen gelungenen Comic, der mit wunderschönen Zeichnungen überzeugt. Von MATTHIAS ROSS.

 

Es ist kein Wunder, dass sich bei uns im Westen ganze Generationen von Filmemachern bemühen, den Werken japanischer Vorbilder nachzueifern. Man denke an Klassiker wie The Magnificent Seven, einem Klon des Kurosawa-Meisterwerks The Seven Samurai, oder an das Japsploitation-Sammelsurium Kill Bill,  um nur zwei Beispiele unter vielen zu nennen. Die Welt dieser japanischen Vorbildfilme hat einfach von allem etwas: Action, Gefühl, komplizierte Figuren und vor allem Pathos, Pathos, Pathos!

 

Auch im Comic hat diese Japan-Begeisterung Spuren hinterlassen und das bezieht sich nicht nur auf den allgemeinen Manga- und Hentai-Boom. Auch typische Stilmittel des Mangas haben spätestens seit Frank Millers langjähriger Daredevil-Ära Eingang in die westliche Comic-Szene gefunden. Neu ist aber, dass sich auch der Manga-typische Samurai-Stoff nun fest im westlichen Genre-Katalog etabliert hat. Neben der Okko-Reihe von Hub bietet Saverio Tenutas Die Legende der scharlachroten Wolken ein Paradebeispiel für diesen Trend. Der erste Band hört auf den Titel Die Stadt, die zum Himmel spricht und ist ein vielversprechender Auftakt.

 

Tange Sazen

Die junge Meiki ist Puppenspielerin und ausgesprochen begabt: Niemand kann so geschickt mit den Bunraku-Figuren umgehen wie sie. Leider sind der herrschenden Shogunai die kritischen Stücke, die Meiki spielt, ein Stück zu nah an der Wirklichkeit. Hauptmann Kawakami soll sie verhaften, doch im letzten Moment eilt ihr der Ronin Raido Caym zur Hilfe. Der rätselhafte, einarmige und einäugige Samurai, der sein Gedächtnis verloren hat, macht die Sache jedoch nur schlimmer. Sein Eingreifen ruft den General Nobu Fudo auf den Plan, der Caym einst töten wollte und bis zu diesem Moment annahm, sein Ziel auch erreicht zu haben. Eine Jagd quer durch das verschneite Japan beginnt...

 

Saverio Tenuta, der bislang nur als Zeichner und Illustrator in Erscheinung getreten ist, gibt mit Die Legende der scharlachroten Wolken nun auch sein Debüt als Autor. Dabei bedient sich Tenuta massiv aus dem Fundus des Samuraifilms – so ist Raido Caym zum Beispiel ein offensichtlicher Klon von Tange Sazen, einer beliebten Figur des Samuraifilms.

 

Inhaltlich bietet der Comic also nicht viel Neues. Dafür fängt Tenuta die Atmosphäre alter japanischer Samurai-Filme recht authentisch ein: Die Handlung kreist um Ehre, Schönheit, Opfermut und Tod – was für eine gebührende Fallhöhe der Figuren sorgt und eine herrlich elegische Stimmung schafft. Bei so viel Pathos besteht zwar immer das Risiko, ins Lächerliche abzustürzen, doch Tenuta gelingt es geschickt, diese Klippe zu umgehen. Seine Figuren sind glaubhaft, wenn auch mitunter ein wenig stereotyp. Leider sind sie teilweise auch sehr unsympathisch. Doch da das auch in den Samurai-Filmen so ist, kann das als eine weitere Genrekonvention verstanden werden, die dem Genuss des Comics keinen Abbruch tut.

 

The Colour of Snow

Vor allem begeistert Die Legende der Scharlachroten Wolken durch ihr Artwork: Tenutas Tuschezeichnungen orientieren sich an traditionellen Vorbildern der japanischen Malerei, transzendieren diese aber zu einem fast fotorealistischen Zeichenstil, in dem sich der Betrachter verlieren kann. Komplettiert wird diese gelungene Kombination durch eine ausgesprochen stilsichere Kolorierung. Leichte Pastelltöne von Hellblau bis Türkis akzentuieren die verschneite Winterlandschaft und werden immer immer wieder durch ein überraschend auftretendes, kräftiges Rot – das titelgebende Scharlachrot – durchbrochen.

 

Tenuta gelingt mit Die Stadt die zum Himmel spricht also ein rundum überzeugender erster Band seiner Reihe, die auf vier Teile angelegt ist. Wir sind gespannt, wie es mit der Legende der Scharlachroten Wolken weitergeht!

 

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