Jim Balent: Tarot - Witch of the black rose. Band 9: Der Hexenschlüssel
31.03.2011
Faster, Pussycat! Hex! Hex!
Hexen mit dicken Möpsen, nackt oder zumindest fast – auch im neunten Band von Jim Balents Comicserie Tarot – Witch of the Black Rose bekommt man als Leser genau das, was man braucht. Oder das Gegenteil davon, je nach Neigung, Anspruch und Erwartungshaltung. Von CHRISTIAN NEUBERT
Um was wäre die kulturelle Landschaft wohl bereichert worden, wenn Russ Meyer neben seinem Faible für dicke Titten noch einen Hang zum Okkulten und zu S/M-Phantasien besessen und statt der Filmkamera den Zeichenstift für sich entdeckt hätte? Vielleicht gäbe es dann Comics, die Die Satansweiber von Tittfield oder Im tiefen Tal der Superhexen heißen?
Wer bei der Vorstellung an so etwas glänzende Augen bekommt, dem sei gesagt: Das gibt es bereits – und zwar in knalliger Airbrush-Optik. Die Rede ist von Jim Balents sexy Hexen-Comicreihe Tarot – Witch of the Black Rose, die hierzulande bei Panini erscheint. In dieser besteht die Hexe Tarot – leicht zu erkennen an ihrem knappen Outfit und ihrer bemerkenswerte Oberweite – morbid-erotische Abenteuer in einem magischen Fantasysetting voll nackter Haut.
Dralle Kurven in grellen Farben
In Der Hexenschlüssel, dem neunten Band der Reihe, der die Folgen 43 bis 47 der US-Serie in sich vereint, macht sich Tarot, die von ihresgleichen als Hexe der schwarzen Rose und als Schwertmaid der Göttin erkannt wird, auf den Weg, um einem Hexentreffen beizuwohnen. Da sie aber keine ihrer Schwestern antreffen kann, nutzt sie die unverhofft gewonnene Freizeit, um es sich von den Kräften der Elemente erst einmal richtig besorgen zu lassen – und zwar schön der Reihe nach, und jeweils unter Einbezug ihrer Finger.
Auch danach jagt ein Höhepunkt den anderen: Tarot muss – leider erst, als es zu spät ist – feststellen, dass es sich bei der geplanten Versammlung um einen Schwindel gehandelt hat, der von einem dämonischen Despoten eingefädelt wurde, um mithilfe seiner teuflischen Schergen die Hexen dieser Welt kidnappen zu können. Der machthungrige Tyrann verspricht sich davon, in den Besitz des Hexenschlüssels zu gelangen, denn dieser soll es erlauben, auf die geballte magische Kraft aller Hexen und Zauberwesen zuzugreifen.
In der drallen Tarot meint der Unhold schließlich die Trägern des Hexenschlüssels ermittelt zu haben – kein Wunder, verfügt sie doch über immense Zauberpower, die sich augenscheinlich vor allem darin äußerst, wie eindrucksvoll ihre gigantischen Eumel, die sie voller Stolz maximal spärlich bedeckt, der Schwerkraft trotzen. Grund genug, die Hexe der schwarzen Rose in einem bizarren Folterkabinett in Ketten zu legen und diversen Torturen auszusetzen.
Feminismus vs. Sexploitation
Tarot wäre nicht die Schwertmaid der Göttin, wenn sie Nötigung und Folter nicht mit heroischem Gleichmut ertragen könnte. Seite über Seite darf man sich als Leser an der körperlichen Pein und Ausbeutung und an den unmenschlichen Strapazen der Heldin ergötzen, während sie niemals müde wird, ausführlich über die Macht der Sexualität und über weibliche Selbstbestimmung zu sinnieren. Schließlich kulminiert alles in einer monumentalen Schlacht, bei der die sich der göttlichen Seite ihrer Weiblichkeit stets bewussten Hexen den bösen Buben zeigen, wo der Hammer hängt.
Die Frauenpower propagierenden inneren Monologe der Heldin wollen dem Band bzw. der Serie eine übergeordnete Message verleihen. Doch die idealisierten Darstellungen weiblicher Anatomie und deren effekthascherische Zurschaustellung in S/M-Szenarien (inkl. Brustwarzen und der unverhüllten, stets glatt rasierten Scham) versehen die Losung »Frauen dieser Welt: Vereinigt euch« überdeutlich mit dem Zusatz »Mit mir!«. Dies verleiht dem Comic, neben seinem vordergründigen Pathos und seiner drastisch-erotischen Komponente, eine gewisse Komik, die man nur schwerlich unfreiwillig nennen kann. Zumal im Vorwort gepostet wird, dass in Der Hexenschlüssel »alle Details wiccanen Glaubens« beleuchtet werden, den der Autor und seine Frau (die der Hexenheldin Pate steht und für das Coloring zuständig ist) »leben und erleben«.
Die Realität, kaum überzeichnet
Das ist doch schon mal was. Darüber hinaus werden im Anhang des Bandes neben der obligatorischen Cover-Art-Galerie noch etliche Portraitfotos praktizierender(?) Hexen aufgeführt, denen die in der Geschichte vorkommenden Hexen nachempfunden wurden. Bei aller Phantastik und sexueller Wunschvorstellung wird Authentizität in der Serie also trotz allem groß geschrieben ...
»Hätte ich mich nicht so sehr für Titten interessiert, wäre aus mir vielleicht ein großer Filmemacher geworden«, hat Russ Meyer einst bekanntgegeben. Wie dem auch sei – eines steht jedenfalls fest: Seine Filme genießen Kultstatus. Entsprechend braucht es auch nicht zu verwundern, dass Jim Balent ebenfalls auf eine große Fanbase blicken kann. Hexen mit dicken Titten – für den, der´s mag, muss es das Größte sein.

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