»The mirror crack'd from side to side;
›The curse is come upon me‹ cried
The Lady of Shalott«
(Alfred Lord Tennyson)
Sie habe Gott gesehen, meint Karin, und er sei eine Spinne. Jener Spinnengott aber ist ihr Vater. Er überantwortet seine Tochter der medizinischen Betreuung und überlässt sie somit auch Krankheit und Tod. Längst nimmt er Karin nicht mehr als fühlendes Individuum wahr, sondern als Protagonistin seines literarischen Werks. Diese Erhöhung zur künstlerischen Figur in Davids Schaffen ist gleichbedeutend mit ihrer Erniedrigung zum Gegenstand seiner Inspiration.
Er habe sich an Karin versündigt, gesteht David in einer Szene. Er hat seine Tochter begehrt. Diese Andeutung des Inzestuösen, auf das die in der Familie vererbte Geisteserkrankung eventuell zurückzuführen ist und das im Unterbewusstsein der Protagonisten präsent bleibt, hat Karin mit ihrem Bruder Peter ausgelebt - und darin exorziert. Dafür muss sie - wie sie längst vorausahnt - bestraft werden: »Ich bin böse«, sagt sie ihrem Ehemann Martin einmal. Im Angesicht einer maskulinen Dreifaltigkeit, der des Vaters, des Sohnes und ihres vergeistigten Mannes, ist sie dem Trost von Fremden überlassen. Gefangen und entronnen in ihren Wahn.
