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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 19:01

Persona (Schweden 1966)

31.03.2011

Stumme Schreie

Fast jeder hat von Ingmar Bergmans meistanalysierten Werk gehört, fast jeder kennt Bilder daraus, wie jenes, auf dem Liv Ullmann ihre Hand auf Bibi Anderssons Haupt legt. Wenige jedoch haben das komplette, lange nur zensiert aufgeführte Werk, gesehen. Die Ingmar-Bergman-Ausstellung der Deutschen Kinemathek lädt ein, den Meilenstein des psychologischen Films im Kino zu betrachten. LIDA BACH ist der Einladung gefolgt.

 

»... a tale told by an idiot, full of sound and fury signifying nothing.«

(Shakespeare)

 

Nichts. Elisabeth Vogler ist nichts. Bis zu ihrem völligen Verschwinden ist es nur eine Frage der Zeit. Wie der Maler Johan Borg in Stunde des Wolfs wird sie sich aufgelöst haben. In Nichts aufgelöst, das Nichts, welches sie jetzt bereits ist. Ingmar Bergmann untersucht in seinem Film die Brüchigkeit einer »Persona«. Ein Filmdreh, eine Kamera. Jeder ist nur ein Schauspieler, eine Maske, eine »Persona«. Zuerst das Vorspiel: Kreuzigung. Eine Erektion. Das Lamm. Allerheiligen. Auferstehung. Dann das Drama in drei Akten. Schweigen.

 

In einer Vorführung von Elektra hört die Schauspielerin Elisabeth Vogler (Bibi Andersson) plötzlich auf zu sprechen. Die junge Krankenschwester Alma (Liv Ullmann) wird beauftragt, sich in Elisabeths Sommerhaus um sie zu kümmern. Freimütig erzählt Alma ihrer aufmerksamen Zuhörerin von sich. Immer privater werden ihre Geständnisse. Ein heimlich geöffneter Brief Elisabeths enthüllt Alma, dass Elisabeths Freundschaft nur eine Maske ist, hinter der Verachtung lauert. Der Bruch zwischen den Frauen zerreißt fast den Film. Die Rollen sind nun klar definiert. Das Stück nimmt seinen Lauf.

 

Alma erscheint als eine der mächtigsten Figuren in Bergmans Œvre, die eine Existenz durch ihre Zuwendung erschafft und dann durch ihre Abwendung auslöscht. Ihr Schweigen ist ein tonloser Schrei. Ein Nein, klarer als es Worte sein könnten. 

 

Protokoll einer Selbstvernichtung

Elisabeth verweigert sich dem Schmerz, der Trauer, der Angst und dem Tod. Darin aber verweigert sie sich gleichzeitig dem Leben. Ohne die essentiellen Emotionen wäre das Leben ein Dahinvegetieren, ein Dasein zum Nicht-Sein. Bloße Existenz aber gibt es in Bergmans Filmkosmos nicht. Er stellt seine Protagonisten vor die Wahl. Elisabeth hat ihre Entscheidung schon zu Beginn des Films getroffen. Alma protokolliert ihre Selbstvernichtung. Am Ende des Berichts steht die Todesdiagnose. Nichts.  

 

Weiter als je zuvor in seinem filmischen Schaffen sei er in Persona gegangen, sagte Bergman. Nie verliert er seine schockierende Wirkung. Und manchmal ist es eine regelrechte Qual, Bergmans psychotische Wahngemälde anzusehen.

 

In der letzten Einstellung erfüllt er Elisabeths Wunsch endgültig. Der Regisseur selbst, die Filmausrüstung und Kameramann Sven Nykvist werden sichtbar. In diesen Szenen ruhen Bergmans »wortlosen Geheimnisse, die nur das Kino ergründen kann«. Die Maske ist abgenommen. Das wahre Gesicht sichtbar: Nichts.

 

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