The best laid Schemes of Mice and Men
»Irgendeine Frau«, die Disney weniger liebte als Mickey, war Lillian Bounds, die Plane Crazy mit zeichnete. Disneys Ehefrau überzeugte ihn, den Hauptcharakter des Cartoons in Mickey umzutaufen, da Mortimer zu pompös klänge. Das Geheimnis von Mickeys Beliebtheit sei seine Menschlichkeit, sollte Disney später sagen. In Retrospektive eine beinah zynische Ansicht. Je antromorpher Mickey wurde, desto unmenschlicher wurde er. Nicht, dass sein Charakter sich verschlechtert hätte. Minnies frecher Verehrer, der eine Comic-Katze durch die Luft schleuderte und auf Ferkeln musizierte (gemeine Tierquälerei und zügellose Frivolität, wissen wir heute), wurde ein mustergültiger Held. Am menschlichsten war Mickey, als er Maus war.
Die Anekdote über seine Entstehung ist der Beweis für das erzählerische Talent Walt Disneys. Vom Märchenerfinden verstand er nicht so viel. Von der Natur des Märchens dafür umso mehr. Ein Märchen hat einen Helden. Es erzählt in veränderter Form immer die gleiche Geschichte. Diese musste hochmoralisch sein, ein Lehrstück über Tugend und wahre Werte. »Unterhaltungsfilme haben ungeheuren Einfluss auf die Formung junger Leben nach den Idealen eines normalen Erwachsenendaseins.« Der Traum, der in seinen Trickfilmen stets aufs Neue wahr wurde, war nicht zuletzt der Traum vom Streben nach Glück. Alle Märchen gehen gut aus. Und wenn man sie oft genug erzählt, werden sie ein Stück Wirklichkeit. Animation sei das flexibelste und genauste Kommunikationsmittel, glaubte Disney: »Für schnelle Massenwahrnehmung.«
Born on a train. Wie aus einem Folksong. Den gibt es übrigens wirklich, auch wenn er Jahrzehnte nach Disneys Tod entstand. »Born on a train« lautet die letzte Zeile des Refrains. Doch die ersten passen auf die Maus und ihren Macher noch besser: »I've been makin' promises I know I'll never keep. / One of these days I'm gonna leave you in your sleep.«