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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 19:08

 

Walt Disney (1954)
Foto: NASA Walt Disney (1954)
Foto: NASA

Walt Disney

07.04.2011

Der Meister und Mickey Mouse

So gut wie pleite war der junge Animationsfilm-Produzent. Sämtliche Zeichner bis auf einen hatte ein Konkurrenzstudio dem jungen Produzenten abgeworben. Nun saß der aufstrebende Filmemacher so gut wie pleite im Zug von Manhattan nach Hollywood. Ausgerechnet hier fand er seinen engsten Verbündeten. »Mortimer« stellte sich der Retter in der Not vor. Doch wie es unter Freunden so ist, nannte der junge Produzent ihn Mickey. Von LIDA BACH.

 

Die Anekdote über die Geburtsstunde von Mickey Mouse ist eine schöne Geschichte. Leider ist sie nicht mehr. Die Realität war weniger malerisch, als der Zeichner sie später schilderte. Sein Name war Walt Disney. Alle Animationskünstler waren zur Konkurrenz übergelaufen von den Disney Brothers Cartoon Studios, die der 22-jährige Walt 1923 mit seinem älteren Bruder Roy gegründet hatte. Alle – bis auf einen. Walts Freund und erster Angestellter Ub Iwerks zeichnete den ersten Mickey-Mouse-Cartoon Plane Crazy. Iwerks war es wohl auch, der die weltbekannte Maus erfand. »Ich liebe Mickey Mouse mehr als irgendeine Frau, die ich je gekannt habe«, sagte Walt Disney einmal. Diese große Liebe spannt man einem anderen schon mal aus. Das kommt selbst unter Freunden vor. Wie gesagt, alle Träume können wahr werden. Man muss nur den nötigen Mut haben.

 

The best laid Schemes of Mice and Men

»Irgendeine Frau«, die Disney weniger liebte als Mickey, war Lillian Bounds, die Plane Crazy mit zeichnete. Disneys Ehefrau überzeugte ihn, den Hauptcharakter des Cartoons in Mickey umzutaufen, da Mortimer zu pompös klänge. Das Geheimnis von Mickeys Beliebtheit sei seine Menschlichkeit, sollte Disney später sagen. In Retrospektive eine beinah zynische Ansicht. Je antromorpher Mickey wurde, desto unmenschlicher wurde er. Nicht, dass sein Charakter sich verschlechtert hätte. Minnies frecher Verehrer, der eine Comic-Katze durch die Luft schleuderte und auf Ferkeln musizierte (gemeine Tierquälerei und zügellose Frivolität, wissen wir heute), wurde ein mustergültiger Held. Am menschlichsten war Mickey, als er Maus war.

 

Die Anekdote über seine Entstehung ist der Beweis für das erzählerische Talent Walt Disneys. Vom Märchenerfinden verstand er nicht so viel. Von der Natur des Märchens dafür umso mehr. Ein Märchen hat einen Helden. Es erzählt in veränderter Form immer die gleiche Geschichte. Diese musste hochmoralisch sein, ein Lehrstück über Tugend und wahre Werte. »Unterhaltungsfilme haben ungeheuren Einfluss auf die Formung junger Leben nach den Idealen eines normalen Erwachsenendaseins.« Der Traum, der in seinen Trickfilmen stets aufs Neue wahr wurde, war nicht zuletzt der Traum vom Streben nach Glück. Alle Märchen gehen gut aus. Und wenn man sie oft genug erzählt, werden sie ein Stück Wirklichkeit. Animation sei das flexibelste und genauste Kommunikationsmittel, glaubte Disney: »Für schnelle Massenwahrnehmung.«

 

Born on a train. Wie aus einem Folksong. Den gibt es übrigens wirklich, auch wenn er Jahrzehnte nach Disneys Tod entstand. »Born on a train« lautet die letzte Zeile des Refrains. Doch die ersten passen auf die Maus und ihren Macher noch besser: »I've been makin' promises I know I'll never keep. / One of these days I'm gonna leave you in your sleep.«

 

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