Dass Comics in Deutschland immer noch nicht die gebührende Wertschätzung erfahren, kann man überdeutlich am deutschen Wikipedia-Eintrag zu Alejandro Jodorowsky ablesen. Dort wird der Mann so eingeführt: »Alejandro Jodorowsky (geboren am 7. Februar 1929 in Tocopilla, Chile) ist ein chilenischer Regisseur, Schauspieler und Autor einer Reihe surrealer Filme.« Die Information, dass Jodorowsky auch Comics macht, findet sich nur unter ferner liefen im vorletzten Absatz. Gerademal zwei Sätze widmet die Wikipedia diesem Thema.
Dabei ist Jodorowsky einer der umtriebigsten und einflussreichsten Comic-Autoren der letzten vierzig Jahre. Sein erstes Werk, Anibal 5, erschien schon 1966 und seine Incal-Reihe (auf Deutsch: John Difool) wird immer wieder gehandelt, wenn die Frage nach dem besten Comic aller Zeiten gestellt wird.
Darum hier noch einmal für alle Comic-Einsteiger: Ja, Alejandro Jodorowsky macht auch Comics! Wer allerdings nur seine Filme kennt, auf den wartet eine ziemliche Überraschung: Keine Spur der rauschhaften Traumlogik, der seine mystizistischen Filme, wie El Topo und Santa Sangre, folgen. Stattdessen sind seine Comics, wie Die Metabarone oder Pietrolino, verblüffend geradlinig - und vor allem kohärent erzählt. So auch Der schreckliche Papst: Giuliano della Rovere, den Jodorowsky nun zusammen mit dem italienischen Zeichner Theo herausgebracht hat.