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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 19:24

Red Riding Hood

05.05.2011

Das Ooooohhh! bitte nicht vergessen

Der Fantasy-Horror Red Riding Hood ist der Film, auf den all die Twilight-Fans sehnlich gewartet haben, die vergeblich hofften, Bella würde Jacob statt Edward wählen. Wer will schon einen blassen Vampir, wenn er einen schauspielerisch noch viel blasseren Werwolf haben kann? Von LIDA BACH

 

Wie man in den Wald ruft, so tönt es heraus. Nachdem die Dorfbewohner in aller Deutlichkeit herausposaunt haben, dass es ein klitzekleines Werwolf-Problem gibt, rückt der Hexenjäger Pater Solomon (Gary Oldman) mit seinen finsteren Mannen an. Während im Wald noch geheult wird, wird in Daggerhorn schon gefeiert. Schreitet ein finster blickender Gary Oldman mitten in das voreilige Freudenfest über die erfolgreiche Wolfsjagd, ist aber Schluss mit lustig. Im Schafspelz lebt der Wolf weiter unter der Dorfbevölkerung und kann jederzeit zubeißen.

 

Cry Wolf

In puncto Lebenserwartung stehen Werwölfe Vampiren in nichts nach. Auf einer »700 Jahre alten Legende« basiert Catherine Hardwicks Rotkäppchen-Verfilmung angeblich, obwohl Charles Perraults Le Petit Chaperon Rouge und dessen abgemilderte Variation der Gebrüder Grimm kaum halb so alt sind. Ein kuscheliger Werwolf ist viel besser als ein totkalter Vampir im tiefverschneiten Tann, der vage dem hiesigen Schwarzwald entsprechen soll. Statt vom europäischen Mittelalter ist das computergenerierte Szenario von Schneekugeln inspiriert, die Hardwicke vermutlich irgendwann als europäisches Souvenir mitgebracht wurden. Und ein Ort, der »Schwarzwald« heißt, muss verdammt finster und gruselig sein, dachte sich Hardwicke wohl.

 

Doch Red Riding Hood ist mehr als eine unfreiwillig komische Teenager-Romanze für die Jacob-Fraktion unter den Twilight-Lesern, übervoll mit bizarren Accessoires (braune Kontaktlinsen für Julie Christie) und absurden Requisiten (drei Worte: riesiger heizbarer Metallelefant). Spätestens seit Tex Averys Rotkäppchen-Cartoons ist die psychologische Interpretation des Märchens nahezu Allgemeinwissen. Perraults erotische Suggestivität und parodistische Mahnung zur Tugend passten die Gebrüder Grimm der bürgerlichen Moral an. Hardwickes Kinoadaption verschärft die reaktionäre Moral und untermauert sie mit einem kruden Konzept christlicher Strafe, sozialen Gehorsams und Sexismus.

 

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