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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 19:25

Coco Chanel & Igor Stravinsky

05.05.2011

Lieben Sie Stravinsky?

Stil ist alles. Mag ihm die Masse auch verständnislos begegnen wie im Theatre des champs-Elysées. Fahles Licht fällt in den verdunkelten Saal, aus dem Buh-Rufe so laut tönen, dass die bleich geschminkten Tänzer kaum den Takt zu Vaslav Nijinskys Choreografie finden. Zu radikal und verstörend ist Le Sacre du printemps. Die Operninszenierung Igor Stravinskys eröffnet Jan Kounens Biopic über dessen berühmteste Romanze. Zum gemeinsamen 40. Todestag von Coco Chanel & Igor Stravinsky sah LIDA BACH die filmische Doppelbiografie.

 

Stil kann alles. Karrieren machen, wenn man ihn geschickt dem Massengeschmack anpasst, wie Coco Chanel (Anna Mouglalis). Karrieren zerstören, wenn man sich dem Massengeschmack hartnäckig verweigert wie Stravinsky (Mads Mikkelsen). Der Ton macht die Musik und die Mode. Letzte ist das Metier Coco Chanels, die nicht nur mit ihr mitgeht, sondern sie zu prägen versteht. In den Unterschieden zwischen Künstler und Kunsthandwerkerin, einem Innovatoren und einer Interpretin des Bekannten, zwischen frühem Ruhm und strauchelnder Karriere liegt das Potential der Romanze zweier Ikonen ihres Fachs.

 

Als vornehme Dame sucht Chanel Stravinsky nach dem Opernfiasko in seiner Garderobe auf. Ihre Nasenflügel beben, als sie vor der Tür wartet, als errege die Verachtung des Publikums sie. Das kleine Schwarze, das sie trägt, hat vor Kurzem die Modewelt revolutioniert. Bis Stravinskys Oper gleiches mit der klassischen Musik tut, wird es ist es noch dauern. Der Misserfolg macht den russischen Komponisten zu etwas, dass nach dramatischem Maßstab besser ist als ein Genie: nämlich ein missverstandenes Genie. Missverstanden, mehr noch unverstanden, ist Stravinsky auch von Kounen. In elegante Bilder kleidet der französische Regisseur die Affäre von Coco Chanel & Igor Stravinsky. Das & im Filmtitel soll hierbei, so scheint es zumindest, die Liebesverstrickung belegen. Womöglich, weil Kounen selbst ahnt, dass seine Inszenierung es nicht vermag.

 

Der Stoff, aus dem die Liebesträume sind

Auf der Leinwand bleibt Chanel ein seelenloses Mannequin, die ihre Kollektionen vorführt. Planszenen und Planliebesszenen behaupten emotionale und physische Ekstase. Nichts darf den guten Stils stören. Nicht der Originaltitel der Romanvorlage Coco & Igor, der nach einer Romanze zwischen Fips, dem Affen, und Frankensteins Assistenten klingt. Noch weniger, dass Chanel politisch braun trug. Modisch mag sie die Resistance vertreten haben, während der Nazi-Besetzung stand sie jedoch auf der anderen Seite.

 

Doch Coco Chanel & Igor Stravinsky definiert die weibliche Hauptfigur - wie in Filmbiografien üblich - über ihre Liebschaften. Mit ihr steht die melodramatische Liaison, statt der bewegten Biografie Stravinskys im Handlungszentrum. Es bleibt: bloßes Kunsthandwerk - und eine Geschmacksfrage.

 

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