Stil kann alles. Karrieren machen, wenn man ihn geschickt dem Massengeschmack anpasst, wie Coco Chanel (Anna Mouglalis). Karrieren zerstören, wenn man sich dem Massengeschmack hartnäckig verweigert wie Stravinsky (Mads Mikkelsen). Der Ton macht die Musik und die Mode. Letzte ist das Metier Coco Chanels, die nicht nur mit ihr mitgeht, sondern sie zu prägen versteht. In den Unterschieden zwischen Künstler und Kunsthandwerkerin, einem Innovatoren und einer Interpretin des Bekannten, zwischen frühem Ruhm und strauchelnder Karriere liegt das Potential der Romanze zweier Ikonen ihres Fachs.
Als vornehme Dame sucht Chanel Stravinsky nach dem Opernfiasko in seiner Garderobe auf. Ihre Nasenflügel beben, als sie vor der Tür wartet, als errege die Verachtung des Publikums sie. Das kleine Schwarze, das sie trägt, hat vor Kurzem die Modewelt revolutioniert. Bis Stravinskys Oper gleiches mit der klassischen Musik tut, wird es ist es noch dauern. Der Misserfolg macht den russischen Komponisten zu etwas, dass nach dramatischem Maßstab besser ist als ein Genie: nämlich ein missverstandenes Genie. Missverstanden, mehr noch unverstanden, ist Stravinsky auch von Kounen. In elegante Bilder kleidet der französische Regisseur die Affäre von Coco Chanel & Igor Stravinsky. Das & im Filmtitel soll hierbei, so scheint es zumindest, die Liebesverstrickung belegen. Womöglich, weil Kounen selbst ahnt, dass seine Inszenierung es nicht vermag.