Pierre Dragon/Frederik Peeters: RG - Verdeckter Einsatz in Paris. Band II: Bangkok-Belleville
18.08.2011
Gute Arbeit ...
...hat der hauptberuflich als Polizist tätige Pierre Dragon gemeinsam mit dem Zeichner Frederik Peeters geleistet. Die Rede ist von der Serie RG, deren neuer Band Bangkok-Belleville nun vorliegt. CHRISTIAN NEUBERT führt den Comic vor den Untersuchungsrichter.
Pierre Dragon ist zurück! Nach seinem überaus gelungenen Einstand als Comic-Autor hat der Mann, der tatsächlich bei der französischen Geheimpolizei arbeitet, in Wirklichkeit aber wahrscheinlich auf einen etwas weniger griffigen Namen hört, nun den zweiten Band der Reihe RG vorgelegt: Bangkok-Belleville, Für die zeichnerische Umsetzung ist wieder der Schweizer Frederik Peeters verantwortlich. Eine gute Entscheidung, denn was für den Profisport gilt, trifft auch auf Serien zu: Never change a winning team!
Diesen Leitspruch nimmt sich auch jener Pierre Dragon zu Herzen, der im Comic als Alter Ego des französischen Polizeibeamten, dessen wahre Identität wir nicht kennen, fungiert: Er hat seine alten Kollegen in das fünfköpfige Team berufen, dessen Leitung ihm übertragen wurde, nachdem er den Fall, von dem der erste Band gehandelt hat, erfolgreich abschließen konnte.
Somit hat man es bei Bangkok-Belleville wieder mit einigen alten Bekannten zu tun. Und obwohl hier erst der zweite Band einer Serie vorliegt, meint man, bereits enorm viel über die Protagonisten zu wissen. Dies verdankt die Serie dem der Authentizität verpflichteten Storyboard der gebotenen Kriminalfälle. Die einzelnen Figuren, die bekannten und die neu vorgestellten, sind tatsächlichen Existenzen glaubhaft nachempfunden, und überhaupt ist man bei RG verdammt nahe an der Realität des Polizeialltags dran. Wie viel Fiktion hier der Faktizität polizeilicher Ermittlungsarbeit beigemengt ist, kann man natürlich nur erraten, aber dass sich die Erzählung eng an der Wahrheit entlang hangelt, fällt einem nicht schwer zu glauben.
Hungerlohn statt Serienkiller
In seinem neuen Fall hat Dragon es mit einer thailändischen Organisation von Menschenhändlern zu tun, die regelmäßig Landsmänner nach Paris lockt, um dem Rotlichtmilieu, aber mehr noch der Textilbranche, Nachwuchs an billigen Arbeitskräften zu sichern. Wie auch im ersten Band nimmt sich der Fall also eher gewöhnlich, im Vergleich mit anderen Crime-Stories vielleicht sogar bescheiden aus. Doch diese Zurückhaltung ist nach wie vor der große Trumpf der Comic-Reihe: Durch das vermeintlich banale Thema kommt Bangkok-Belleville direkt in der Lebenswirklichkeit des Lesers an. In einer Lebenswirklichkeit, deren offensichtliche Schattenseiten, wie die Ausbeutung von Billiglohnempfängern in illegalen Fabriken europäischer Städte, eher gefördert als verdrängt werden.
Es ist gut, dass in RG Missstände aufgezeigt werden. Noch besser ist allerdings, wie das geschieht. Denn die Moralkeule schwebt niemals über der Handlung, Kritik wird eher nebenbei geübt. Man kann sie lediglich im lakonischen Tonfall der Hauptfigur heraushören, die sich ständig darüber bewusst ist, dass sie konsequent einen Kampf gegen Windmühlen führt. Einen Kampf, der mit langwierigen Beschattungen, dem Stellen von Anträgen und internen Interessenskonflikten ausgetragen wird, und nicht etwa mit dem Leerfeuern der Magazine großkalibriger Waffen.
Winter in Paris
Mitverantwortlich dafür, dass man diesen mitunter recht drögen Kampf mit Begeisterung und Spannung verfolgen kann, ist auch Frederik Peeters, dessen Bilder wieder gelungen das Mienenspiel der Handlungsträger einfangen. Sein Pinselstrich ist meist genug, um die Figuren zum Sprechen zu bringen, weswegen oft gar nicht viele erklärende Worte vonnöten sind, um beim Leser Verständnis über gewisse Aspekte der Handlung zu schaffen. Die Farben sind gewohnt kräftig, auch wenn in Bangkok-Belleville eine andere Palette zum Einsatz kommt als in Riad an der Seine, denn diesmal ist es Winter in der französischen Hauptstadt.
Brandaktuell und zeitlos, mitreißend, aber niemals reißerisch, desillusionierend, ohne dabei zynisch zu werden: RG – Verdeckter Einsatz in Paris ist eine Crime-Comic-Reihe, wie man sie sich wünscht. Das weiß man seit Erscheinen des ersten Bandes, und der zweite Band bestätigt dieses Wissen vorbehaltlos.

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