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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 19:34

Mike Mignola / Richard Corben / Duncan Fegredo / Joshua Dysart / Jason Shawn Alexander / Guy Davis: Hellboy - Der Krumme

21.07.2011

Witchy Wild West

Im elften Band der Hellboy-Reihe stellen Mike Mignola und eine ganze Horde Zeichner die Mythen des Westens vor und legen eine Sammlung von Kurzgeschichten oben drauf. PETER KLEMENT ist mit dem roten Dämon in die Berge Virginias gereist und hat die Grenzen der Zivilisation ausgelotet.

 

Im Jahr 1872 hat der Maler John Gast dem Manifest Destiny ein Gemälde mit dem Titel Der Fortschritt Amerikas gewidmet. In diesem Gemälde schreitet eine – wie immer leicht bekleidete – allegorische Dame mit einem Telegrafendraht in der einen und einem Schulbuch in der anderen Hand durch die Wildnis Amerikas, in die sie das Licht der Zivilisation trägt. Doch Licht ist keine binäre Angelegenheit, wo Licht ist, ist zwar auch Schatten, doch dazwischen eine Grauzone.

 

Und so trifft Hellboy auf seinem Weg durch die Apalachen auf Tommie, einen Herumtreiber, der vor Jahren einen Pakt geschlossen hat, den er nun bitter bereut. An der Frontlinie zwischen Licht und Schatten kämpfen die beiden bald darauf gegen Hexen, den dämonischen Krummen und das ungezähmte Land, in dem es keine Telefone gibt und in dem das Licht der Zivilisation nur trübe aus einer Petroleumlampe funzelt.

 

Intermezzo

Der elfte Band ist eines von Mignolas berühmt-berüchtigten Zwischenspielen, in denen er Geschichten präsentiert, die mit dem Hauptplot wenig, gar nichts oder noch nichts zu tun haben – das kann man man nie so genau wissen. Die titelgebende Geschichte Der Krumme nimmt knapp die Hälfte des Bandes ein, die restlichen Seiten teilen sich fünf andere Geschichten über Piraten, Löcher im Boden und versehentlichen familiären Kannibalismus.

 

Vier verschiedene Zeichner, dazu Mignola und ein Kolorist (Dave Stewart) machen den Band  extrem abwechslungsreich. Neben anerkannten Größen wie Richard Corben (Punisher: The End), Guy Davis und Duncan Fegredo  - mit ihnen hat Mignola schon öfter zusammengearbeitet - kommt mit Jason Shawn Alexander auch ein weniger bekannter Künstler zum Zug.

 

Genauso unterschiedlich wie die Stile der Künstler sind die erzählten Geschichten: Der Krumme ist aktualisierte amerikanische Folklore mit lovecraftschen Untertönen. Die in Schiffen übers Meer fahren ist eine schön erzählte Geistergeschichte, in der der Pirat Blackbeard seinen Kopf sucht. In Die Kapelle von Moloch nutzt Mignola die Gelegenheit mit seinem Recherchefleiß anzugeben und so dem Leser Material für die nächste Cocktailparty der okkulten Art an die Hand zu geben. Schließlich ist es immer gut zu wissen, dass Bischof Zrinyi 1752 in Rumänien gegen die Karpatenziege kämpfte. Das Mal ist ein kleiner Ausflug in die Sphären des Mindfucks oder der Beat Generation, je nachdem wie man es hält. Wie Koschej unsterblich wurde und Baba Jagas Festmahl sind Adaptionen russischer Märchen, denen Mignola und der jeweilige Zeichner ihre eigene Note geben.

 

A man called Manly Wade Wellman

Dazu hat der Band noch einen lesenswerten Aufsatz über ein Urgestein der amerikanischen Pulp-Ära zu bieten. Vorgestellt wird Manly Wade Wellman, einer jener Autoren, die im goldenen Zeitalter von Pulp und Science-Fiction für Magazine wie Wonder Stories oder Weird Tales Geschichten über Marsmenschen, Dämonen und Helden schrieben. Zu Beginn seiner Karriere standen eher klassische Weltraumopern auf dem Programm, von denen er sich bald verabschiedete, um sich dem Okkulten zuzuwenden. Als Inspirationsquelle dienten ihm dabei amerikanische Mythen, die er mit seinen Figuren bevölkerte.

 

Im Gegensatz zu anderen Autoren lagen ihm die Geschichten aus den Appalachen am Herzen und so findet sich bei ihm nicht das übliche Vorurteil des ungehobelten Hinterwäldlers oder der unzivilisierten Rothaut. Seine Figuren verfügen über Wissen aus Jahrhunderten und aus alten Bräuchen, die sie in dem unheimlichen, unzivilisierten Land überleben lassen. Wer den Artikel liest, bekommt zum einen Lust, eine Geschichte von Mr.Wellman zur Hand zu nehmen und zum anderen gewinnt man einen kleinen Einblick in Mignolas Quellen.

 

Once Upon a Time in the West

Der Krumme ist wieder ein gelungener Wurf von Mignola, in dem sich für europäische Leser mit Sicherheit etwas Neues über dem amerikanischen Kontinent erfahren lässt. Als einzige Nörgelei bleibt anzumerken, dass es überhaupt keinen Spaß macht, nach einem fiesen Cliffhanger im vorherigen Band einen Sammelband aufzuschlagen, in dem Mignola – mal wieder – abseits des Hauptplots in den Gebirgen von Virginia durch die Gegend mäandert. Ehrlich jetzt, get on with it!

 



 

 

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