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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 19:36

Für das Imperium 1: Ehre

23.06.2011

Heroische Heraldik

Was die Analyse antiker Vasen mit dem historischen Comic Für das Imperium zu tun hat. Eine Untersuchung der Oberflächenstruktur von DANIEL WÜLLNER

 

Um ein authentisches Bild längst vergessener Tage zu rekonstruieren, bedienen sich Historiker nicht nur der Entschlüsselung von Symbolen und Bildern. Forscher untersuchen auch die Oberfläche, auf denen diese Überlieferungen festgehalten wurden. Es werden chemische Untersuchungen am Material durchgeführt – auch die einzelnen Farbpigmente werden mittels spektrometrischer Verfahren auf ihre Beschaffenheit hin analysiert. Tun wir einfach mal so, als wäre auch ein historischer Comic ein solches Zeitdokument und analysieren dementsprechend seine grafische Beschaffenheit.

 

Für das Imperium 1: Ehre ist ein Comic, der sich nicht damit zufrieden gibt, nur den historischen Stoff wiederzugeben. Vivès und Merwan nutzen das Gewebe selbst, um ihre Geschichte zu erzählen. Seit Frank Millers 300 wurden nur wenige Comics so von ihrer Ästhetik getragen. Doch im Gegensatz zu Millers harschen Schwarz-Weiß-Kontrasten versucht Vivès, seine Zeichnungen der Handlung und dem Setting anzupassen.

 

Das gelingt ihm so gut, dass man glaubt, jedes einzelne Panel so auf einer antiken Vase wiederzufinden zu können. Geschickt legt der Franzose mehrere Farbschichten übereinander, kombiniert Grundierungen mit farblichen Akzentuierungen und gibt den Figuren eine Zweidimensionalität, die durchbrochen werden will, um die Schwächen und Stärken der Charaktere zu ergründen.

 

Eine satte Grundierung ...

Die Grundierung der Comic-Vase, das historische Setting der Handlung also, gleicht einem kräftigen Türkis. Wie der Titel schon sagt, handelt der Comic von einem unbenannten Imperium. Obwohl das bezeichnende Adjektiv »römisch« ausbleibt und auch der oberste Befehlshaber nicht namentlich genannt wird, so kann man dennoch von Cäsar und dem Imperium Romanum ausgehen. Dieses Imperium ist auf der Höhe seiner Macht, doch eine Eintönigkeit, eine Übersättigung, macht sich langsam breit, die sich im Verblassen des Türkis in ein fades Grün andeutet.

 

Damit der Comic nicht ins langweilige türkisgrüne Spektrum abdriftet, setzt Vivès durch kräftige Rottöne Akzente, die wie Blutspritzer an der Vase kleben bleiben. Diese farbliche Hervorhebung deutet auf den Protagonisten, den Kommandeur Glorim Kortis hin. Gemeinsam mit seiner Elitetruppe – bestehend aus nur fünf Mann, Glorim eingeschlossen – verleiht er dem Imperium die im Titel versprochene Ehre. Ähnlich wie in 300 ziehen die antiken Kampfmaschinen zu Felde und hacken Köpfe ab, doch lassen sie dabei das Millersche Pathos aus. Obgleich Glorim und seine Männer ihren Job perfekt ausführen, bleibt die Frage bestehen, ob diese Taten wirklich Ehre nach sich ziehen.

 

... beginnt aufzuplatzen

Trotz dieser anschaulichen und auch sehr mitreißenden Materialschlachten scheint dennoch etwas zu fehlen. Ungewohnte Farben, Braun- und Orangetöne, beginnen das leuchtende Karmesin des Blutes zu überdecken. Diese Darstellung auf der Vase verweist auf den Auftrag, den der Imperator Glorim überträgt. Er und seine Mannen sollen neue Gebiete für das Imperium erkunden. Was in der Vorbereitung nach einem waghalsigen Abenteuer aussieht, wird schnell zu einer Geduldprobe für die heldenhaften Recken, da es keine Heldentaten zu bestehen gibt. Ganz so als müssten Millers 300 Recken den Thermopylen entsagen.

 

Der neue Auftrag lässt die Patina aufplatzen, Risse zeichnen sich ab und auf der Oberfläche des Comics kommen die weißen Panelzwischenräume zum Vorschein. Sie nehmen dem makellosen Heldentum seine Unverwundbarkeit und zeichnen tiefe Furchen der Unsicherheit in die ansonsten so selbstsicheren Figuren. Wohin sollen sie gehen und welchen Sinn haben ihre Taten überhaupt noch?

 

Merwan und Vivès zeigen, dass ein Heldenepos nicht, wie in 300, in martialischem Schwarzweiß  daherkommen muss, sondern mit nur fünf Kämpfern zugleich Ehre wie auch Unsicherheit dokumentieren kann. Für das Imperium verbindet in unnachahmlicher Art und Weise die Ästhetik mit der Handlung. Lange hat kein Comic die Historie mehr so schön in ihre eigenen Gewänder eingekleidet.

 

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