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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 19:47

The Way Back - ab nächster Woche im Kino!

23.06.2011

An sieben Fingern abzählbar

Ein Gulag in Sibirien 1939: Die Lebensbedingungen sind erbärmlich, die Gefangenen hungern, frieren, werden von den Wächtern schikaniert und von der Lagermafia terrorisiert. Wer in den Minen landet, ist zum Tode verurteilt. Von STEFAN VOLK

 

Der hohe Stacheldrahtzaun, der das Lager umgibt, scheint nicht unüberwindbar, aber dahinter lockt keinesfalls die Freiheit. Ganz Sibirien ist euer Gulag, bläut ein Vorsteher den Häftlingen ein und versucht so jeden Gedanken an Flucht im Keim zu ersticken.

 

Dass das nicht funktioniert, sondern die Unmöglichkeit des Unterfangens nur dessen Reiz erhöht, zählt zu den Gesetzmäßigkeiten des Genrekinos, denen sich der australische Regisseur Peter Weir mit der Verfilmung der historisch nicht verifizierten Lebenserinnerungen des ehemaligen polnischen Leutnants Slawomir Rawicz in The Way Back einmal mehr verschrieben hat. Der Held, der sich dieser »mission impossible« stellt, ist der Pole Janusz (Jim Sturgess), ein herausragender Orientierungskünstler, den der unbedingte Wille antreibt, zu seiner geliebten Frau zurückzukehren, die ihn unter Folter der Kollaboration bezichtigte. Als er in einer stürmischen Nacht durch den Zaun schlüpft, wird er begleitet von einem älteren Amerikaner, dem schweigsamen, tapferen Mr. Smith (Ed Harris), und dem skrupellosen Berufsverbrecher Valka (Coln Farrell). Ergänzt wird das solide dargestellte Trio durch drei weitere, bis zum Schluss eher gesichtslose Gefangene. Unterwegs gesellt sich ihnen noch eine junge Ausreißerin (Wer ist Hanna?-Darstellerin Saoirse Ronan) hinzu, die für weiblichen Flair sorgt.

 

Kein großer Wurf für die Filmgeschichte

Was sonst geschieht, lässt sich an sieben Fingern abzählen. Die Gruppe schrumpft. Einer nach dem anderen fällt den Strapazen zum Opfer. Doch so vorhersehbar das dramaturgische Konstrukt erscheint, es bleibt – wie stets, wenn Genrekino funktioniert – doch unterhaltsam und spannend bis zum Ende. Außergewöhnlich ist allerdings der Weg, den die Flüchtlinge auf ihrer Odyssee zu einem nichtkommunistischen Staat einschlagen. Sie kämpfen sich durch den ewigen Winter Sibiriens bis zum Baikalsee, durchkreuzen die mongolische Steppe, durchqueren die Wüste Gobi und überschreiten den Himalaja bis sie schließlich in Indien ankommen. Zumindest einige von ihnen.

 

Die effektvoll fotografierte Landschaft erweist sich bei dieser Wanderschaft von Tolkienschen Dimensionen als eigener Protagonist: überwältigend, schön, bedrohlich und unerbittlich. Sie bleibt jedoch der einzige Gegner, mit dem sich die Gefährten von außerhalb konfrontiert sehen. Damit weicht „The Way Back“ nicht nur vom „Herr der Ringe“ Schlachtengetümmel, sondern auch vom üblichen Prison-Break-Schema ab. Mancher mag das als eintönig empfinden, letztlich aber wird die Natur dadurch als die eine, gnadenlose Gegenspielerin etabliert, die dem Film seine besondere Atmosphäre verleiht. Im schillernden Oeuvre Weirs ist The Way Back sieben Jahre nach Master & Commander irgendwo zwischen Der Club der toten Dichter und Green Card einzuordnen. Kein großer Wurf für die Filmgeschichte und doch ein wenig mehr als nur fachmännisch heruntergekurbeltes Genrehandwerk.

 

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