Veränderter Tonfall
Anders als viele ihrer Weggefährten hat sich die im Berliner Stadtteil Schöneberg lebende Autorin allerdings nicht ideologisch vereinnahmen und zur pauschalen Abrechnung mit der DDR oder zu einer unreflektierten Sozialismusschelte hinreißen lassen. Die künstlerische Auseinandersetzung mit ihrer »gemischten Biografie« setzte sich auch nach dem Mauerfall fort - mit den Romanen Stille Zeile sechs (1991) und Pawels Briefe (1999), die trotz ihres autobiografischen Fundaments exemplarischen Charakter für die in der DDR aufgewachsene Generation der »Kriegskinder« hatten.
Ihre besten Werke gelangen Monika Maron, die zuletzt mit dem Deutschen Nationalpreis (2009) und dem Lessing-Preis (2011) ausgezeichnet worden ist, wenn sie sich der Fesseln der eigenen Vita und der deutsch-deutschen Politik entledigte und tief in das Innere ihrer Figuren blickte. In Animal triste (1996) erzählt sie auf eindrucksvolle Weise von der unglücklichen Liebe einer Paläontologin, die das Bewusstsein verliert und in einem komatösen Zustand den eigenen Tod vor hat.
Mit dem Problem des Älterwerdens setzte sie sich auch in ihren beiden letzten Romanen Endmoränen (2002) und Ach Glück (2007) auseinander. Protagonistin in beiden Werken ist Johanna Märtin, die sich zunächst vor der »öden langen Restzeit« fürchtete, mit einem jungen Kunsthändler noch einmal das Aufflackern körperlicher Begierden erlebte und dann im zweiten Roman auf einer Reise nach Mexiko Vitalität und Lebenslust tankte.
Mit der positiveren Grundstimmung ihrer Hauptfigur hat sich in Ach Glück auch Monika Marons Tonfall gegenüber Endmoränen verändert. Die Sätze scheinen ihr flüssiger aus der Feder geflossen zu sein, dem Phänomen des Alterns begegnete sie mit einem Augenzwinkern. Stattdessen stellt sich eine wohltuende Mischung aus Gelassenheit und kritischer Selbstbeobachtung ein, die auch ihren letzten Band Bitterfelder Bogen (2009) charakterisiert, in dem sie vehement gegen die »Früher-war-alles-besser-Mentalität«angeschrieben hat.
