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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 19:51

Brautalarm - ab heute im Kino!

21.07.2011

Freundin der Braut

Bridesmaids ist eine Revolution. Zumindest versucht die Chick-Flic-Variante der typischen Proleten-Komödie so verzweifelt rebellisch zu sein, dass er schon dafür Punkte in Sympathie und in Mitleid verdient. Dem stereotypen Thema der anstehenden Hochzeit der besten Freundin nähern sich Wiig und Co-Autorin Annie Mumolo, indem sie das konventionelle Genre der Hochzeitskomödie zerpflücken. LIDA BACH findet nicht nur blumige Worte für die cineastische Brautjungfernriege.

 

Die Figuren verkörpern verschiedene Stadien der Paarbeziehung. Annie (Kirsten Wiig) führt ein unerfülltes Single-Dasein mit einem deprimierenden Job, der ihr beständig das Beziehungsglück anderer und das eigene Partnerpech vor Augen führt, einem erniedrigenden Verhältnis mit ihrem Ex-Freund Ted (Jon Hamm) und einem unliebsamen Geschwisterpaar als Mitbewohner. Ihre Jugendfreundin Lillian (Maya Rudolph) steht kurz vor der Hochzeit, für die sie neben Annie auch die scheinbar makellose Helene (Rose Byrne) als Brautjungfern ausgewählt hat. Die nach außen hin stets tadellose Helen präsentiert sich als neue beste Freundin Lillians, was bei Annie glühende Eifersucht weckt. Die Hochzeitsvorbereitungen werden zum Wettkampf der »Maids of Honor«, die sich immer unehrenhafter benehmen.

 

Ehe wem Ehe gebührt

»Einen weiblichen Fight-Club« nennt die grobschlächtige Megan (Melissa McCarthy) die wenig damenhaften Brautjungfern treffend, die statt um Männer um Frauenfreundschaft ringen. So etwas wie eine glückliche Single-Frau scheint es in der gegen den Strich gebürsteten Beziehungskomödie nicht zu geben. Die Handlung platziert ihre weiblichen Charaktere zwischen Skylla und Charybdis. Solo, in einer frisch geschlossenen Ehe verkümmernd, frustrierte Familienmutter (Wendy McLendon-Covey) oder abgelehnte Stiefmutter – jede Variation besitzt ihren eigenen Schrecken. Lillian scheint dem Beziehungsunglück nur zu entgehen, weil ihr der Hochzeitsstress keine Zeit dafür lässt. Auch die äußerlich vollkommene Helen leidet in einer lieblosen Ehe. Ihr Perfektionismus, der sie selbst genauso wie ihr Umfeld quält, kaschiert ihre Angst zu versagen.

 

Paul Feigs rüde Komödie, deren Drehbuch Hauptdarstellerin Kirsten Wiig mitschrieb, ist ein vorwurfsvoller Fingerzeig auf jahrzehntelange Diskriminierung im Kino. Ja, offenkundig und dabei so allgegenwärtig und gewohnt, dass es wiederum fast verkappt scheint, zeigt sich der Sexismus im Unterhaltungsgenre. Kerle dürfen in Filmen, die auf ein männliches Publikum abzielen, über Sex, Körperflüssigkeiten und Aggressionen lachen, während häufig geflucht wird. Frauen sollen über misslungene Frisuren und peinliche Versprecher lachen, während alle paar Minuten geseufzt oder vielsagend geblickt wird. Gemein! »Das nennt man Humor!«, verkündet eine frühe Szene von Bridesmaids, die gezielt niveaulose Witze und ausführliches Fluchen in eine vorrangig auf ein weibliches Publikum abzielende Komödie bringt. Den Brautalarm, den der deutsche Verleihtitel im Kino ausruft, brauchen die stereotypen Sommerromanzen indes kaum zu fürchten. Wie halbherzig die vermeintliche Invasion eines »Männergenres« ist, beweist schon die oberflächliche Handlung, die auf die beliebten Themen der üblichen Liebeskomödien zurückgreift: Hochzeit, Familienfeste und andere (Beziehungs-)Schwierigkeiten.

 

Krudes contra Kitsch

Während in Komödien wie Sex & The City 2 und Romanzen wie Julia & Julia die weiblichen Hauptfiguren von Luxus, attraktiven Kostümen und Köstlichkeiten umgeben sind, plagt sie Annie mit Geldnot und Lebensmittelvergiftungen. Zerstören die fatalen Folgen von letzterer einen elitären Brautmodesalon, scheint Bridesmaids mit exzessivem Ekelhumor den realitätsfernen Luxus und reinweißen Kitsch konventioneller romantischer Schnulzen exorzieren zu wollen. Gerade diese geschmacklich fragwürdigen Szenen durchbrechen die konservative Vorstellung sogenannter Frauenfilme. Umso enttäuschender ist, dass Bridesmaids sich von deren Struktur letztendlich nie gänzlich lösen kann. Annies Leben verläuft neben der Spur und nur der Verkehrspolizist Rhodes (Chris O'Dowd) kann sie auf eine verantwortungsvolle Bahn bringen. Das unglaubwürdige Ende, das sämtliche Konflikte mit einem abrupten Schnitt auflöst, zeigt deutlich, dass Bridesmaids fest in den konservativen Stereotypen verankert ist, die er unterwandern will.

 

Trotz seines rüpelhaften Humors, der unausgegorenen Handlung und der Ekelszenen gelingen dem Kinoklamauk vereinzelte Lacher. Schaut man ihn kostenlos auf DVD beim Junggesellinnen-Abend, am Besten mit einer Piccoloflasche Sekt in der Hand, wie sie der Verleih bei der Pressevorführung spendierte, kann Bridesmaids leidlich amüsieren. Ansonsten gelten die Worte von Lillians Vater: »Für den Mist bezahle ich nicht!«

 

 

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