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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 19:58

Der Mandant (USA 2011)

16.06.2011

Höchst anfechtbar

Nähme man diesen Film ins Kreuzverhör, so wie Hollywood Beau Matthew McConaughey es in seiner Rolle als gegelter, erfolgsverwöhnter Strafverteidiger Mick Haller mit den Zeugen der Anklage zu tun pflegt, man könnte ihn ohne weiteres in der Luft zerfetzen. Von STEFAN VOLK

 

Der nach einem Roman von Michael Connely (Blood Work) entwickelte Plot wimmelt nur so von logischen Ungereimtheiten, die mit dem gröbsten aller dramaturgischen Schummelwerkzeuge, dem Schnitt, einfach wegmontiert werden. Da weiß »der Böse« irgendwie immer Bescheid, aber woher er seine Informationen hat, wird nie geklärt. Auch die Handlung des routiniert inszenierten Gerichtsdramas erweist sich auf den zweiten Blick als reichlich dünn.

 

Mick Haller übernimmt die Verteidigung des Millionärssöhnchens Louis Roulet, dem vorgeworfen wird, eine Prostituierte brutal misshandelt zu haben. Anfangs noch von der Unschuld seines Klienten überzeugt, stellt Mick bald fest, dass dieser offensichtlich nicht das erste Mal zuschlug. Spuren führen zu einem alten Fall, in dem Mick nicht verhindern konnte, dass sein hispanoamerikanischer Mandant wegen Mordes verurteilt wurde. Doch obwohl Mick ahnt, dass in Wirklichkeit Roulet damals der Täter war, sind ihm als dessen Anwalt die Hände gebunden. Im Dienste der Gerechtigkeit wagt er deshalb ein gefährliches Doppelspiel.

 

Reines Genrekino

Man kann sich Mick leicht als gealterte Version von McConaugheys Geburt als Leinwandstar denken, Jake Tyler Brigance aus Die Jury (1996): angepasst, desillusioniert, die Ideale aus dem Blickfeld verloren, geschieden, seine Exfrau eine Staatsanwältin, er selbst ein Verteidiger der reichen Weißen …; bis dieser Fall seinen moralischen Kompass wieder einnordet. So klischeehaft wie seine Besetzung präsentiert sich auch Ryan Philippe als intriganter Bösewicht, der dermaßen unschuldig guckt und zynisch grinst, als stünde er für einen Nachdreh zu Eiskalte Engel (1999) vor der Kamera. Hätte Philippe in L.A. Crash (2004) nicht bewiesen, dass er auch anders kann, man würde es nicht glauben. Auch moralisch erscheint Der Mandant höchst anfechtbar. Weil das US-Justizsystem einmal mehr versagt, darf man sich als Zuschauer mitfreuen, wenn hartgesottene Rocker stattdessen selbst zur Tat schreiten. Und wo das »Böse«, das »reine Böse« zitiert wird, erscheint auch die Todesstrafe fast wie ein Segen. Soweit die Anklage.

 

Das letzte Wort aber gebührt auch in dieser Filmkritik der Verteidigung. Machen wir es kurz, meine Damen und Herren: Der Mandant ist Genrekino, reines Genrekino, ein Justizthriller, der nur den einen Anspruch verfolgt, zu unterhalten. Knapp zwei Stunden lang, also die gesamte Filmdauer hindurch, gelingt ihm das nahezu perfekt. Dabei ist er immer wieder für eine Überraschung gut. Ob das logisch ist oder nicht, darüber mag man eigentlich gar nicht nachgrübeln, so mitreißend und stilsicher ist das Ganze erzählt. Eine Lincoln-Limousine als rollendes Büro, McConaughey, smart und scharfzüngig, mit einer Bande Motorradrockern als Geleitschutz. Das ist doch einfach nur cool, oder? Möge die Jury sich zur Beratung zurückziehen – in den Kinosaal.

 

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