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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 20:03

Der König der Löwen (USA 1994)

08.12.2011

Pride and Prejudice

Die Schlange reichte bis auf die Straße. Vielleicht musste man nicht lange warten, aber es fühlte sich lange an. Warten fühlt sich für Kinder meistens lange an. 17 Jahre ist dieser Kinobesuch her. Das Kino ist schon lange geschlossen, der Film aber, der damals gezeigt wurde, läuft weiter. Nun erscheint er in einer Spezialedition auf Blu-Ray und es ist Zeit für eine Rezension. Wäre das Leben ein Disney-Film, würde in jetzt im Hintergrund Elton John laufen: »...the Circle of Life!« Aber das ist es nicht, zum Glück für die, denen der Song schon als Kind missfiel. Wie LIDA BACH.

 

»Pride Rock« heißt der Felsen, welcher der Königssitz des Löwenrudels ist. Throngleich ragt er über die Pride Lands der Savanne als Symbol des Regiments der Raubkatzen: felsenfest, unumstößlich, naturgegeben. Genauso erscheint auch das Ritual, das zu Filmbeginn das Löwenjunge Simba (Sprecher: Jonathan Taylor Thomas) als Der König der Löwen und Hauptcharakter einführt. Hebt der einem Hohepriester ähnelnde Mandrill Rafiki den Sohn von Löwenkönig Mufasa (James Earl Jones) und Sarabi über Pride Rock in die Höhe, zeigt er Simba dessen Reich und seinen Untertanen ihren zukünftigen Herrscher. Die Tiere der Savanne verneigen sich wie auf Befehl, ein Sonnenstrahl umfängt Simba mit einer Lichtkrone, die zugleich Heiligenschein Königsabzeichen und Symbol höherer Fügung ist. Licht und Schatten spielen eine zentrale Rolle in der Dramaturgie. Im Disney-Kosmos scheint die Sonne nicht auf Gut und Böse gleichermaßen.

 

Das Gegenteil der lichtdurchfluteten Pride Lands sind die düsteren »Outlands«, wo die Outsiders, Outcasts und Outlaws leben, die sich den Gesetzen der Löwen nur unter Zwang ergeben. Konträr zu den üppigen Pride Lands existieren dort, symbolisiert durch den Elefantenfriedhof, zu dem Simbas intriganter Onkel Scar (Jeremy Irons) Simba lockt, nur Verfall und Tod. Letzter ereilt fast durch die Hyänen. Einzig das kichernde, geifernde Hyänen-Trio wird von farbigen Darstellern gesprochen. Ihr Slang charakterisiert die Hyänen als Negativstereotypen einer von heruntergekommenen, kriminellen »dark neighbourhood«. Helle und dunkle Töne fungieren als Farbcodes für Gut und Böse. Scar setzen sein verhärmtes Äußeres, die schwarze Mähne und die namensgebende Narbe physisch mit den Aussätzigen der Savanne gleich: den Hyänen.

 

»Its amazing that after all this time So many love Big Jim Crow«

Dass seine Bewohner aus den Pride Lands ausgeschlossen sind, erscheint natürlich: die Hyänen sind Aasfresser, deren Dummheit und Gier soweit reichen, dass sie sich selbst anfressen. Ihr Einzug bringt unweigerlich Niedergang mit sich, nachdem Scar Mufasa ermordet und als neuer König der Löwen seine Hyänen-Verbündeten mitbringt. Über die Pride Lands bricht mit der von Scar verkündetet »neue Ära, in der Löwen und Hyänen zu einer glorreichen Zukunft zusammenkommen« im wörtlichen Sinne ein dunkles Zeitalter herein, welches an die Ghettoisierung eines gehobenen weißen Viertels erinnert. Die Auflösung geltender Machtstrukturen kommt einem Verstoß gegen die Naturgesetze gleich, der Not über die Savanne bringt. Detaillierte Handzeichnungen und Kitsch-Soundtrack verpacken eine perfide Fabel als unbeschwerte Familienunterhaltung, die von der zwingenden Akzeptanz einer elitären Herrenrasse, deren Vormachtstellung durch ihre vermeintliche Überlegenheit als Art naturbedingt ist.

 

Die Gleichstellung Unterprivilegierter ist in dem faschistoiden Konstrukt ein Verstoß gegen den im Titelsong beschworenen Lebenskreislauf mit ebenso fatalen Konsequenzen wie die Missachtung patriarchalischer Machtstrukturen. Simba, der nach Mufasas Tod in Träume geflohen war, wird vom Geist seines Vaters ermahnt, die natürliche Ordnung wiederherzustellen. Gerade dank der konservativen und rassistischen Botschaft, scheint es, ist Der König der Löwen bis heute der erfolgreichste 2D-Zeichentrickfilm aller Zeiten. Die Blu-Ray-Erscheinung wird den Kurs voraussichtlich fortsetzen: The Circle of Disney-Life.

 

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