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Lady and The Tramp - Susi und Strolch (USA 1955)

15.09.2011

That´s why the Lady is no Tramp

Hundebabys bringt der Weihnachtsmann. An Heiligabend stecken sie ihre Nase aus einer Hutschachtel wie Cockerspaniel Lady. Ganz doll hofft man als Kinderzuschauer zu Weihnachten auf eine Hundehutschachtel - und ganz doll lieben Lady ihre Besitzer. Bis ihnen ein besseres Geschenk gebracht wird, vom Storch. »Wenn das Baby einzieht, zieht der Hund aus«, hat der Streuner Tramp gelernt. Nachdem ihre reichen Besitzer Jim Dear und Darling eigenen Nachwuchs haben, lernt ihr ausgewachsenes Hundekind die Brüchigkeit menschlicher Zuneigung kennen. Da Kennenlernen nicht Erkennen bedeutet, versucht Lady die Gunst ihrer Eigentümer zurückzugewinnen. Von LIDA BACH

 

Das Leitthema von Lady and The Tramp ist die Unzuverlässigkeit fürsorglicher und romantischer Liebe, das einen zartbitteren Unterton in diese sentimentale Ballade bringt. Ladies und Tramps Lebensläufe entspringen weit entlegen voneinander, verlaufen unterschiedlich und fließen dennoch nahtlos ineinander, um in einen gemeinsamen zu münden. Die im Disney-Kanon ungewöhnliche dramaturgische Parallele trübt die Handlung nicht, sondern macht sie noch klarer und lässt tief blicken auf die zugrundeliegenden Moralformeln. Lady and The Tramp erzählt eine doppelte Parabel von Domestizierung, einmal als Tragödie, einmal als Komödie.

 

Tramp: »Look, there's a great big hunk of world down there, with no fence around it. Where two dogs can find adventure and excitement. (…) And it's all ours for the taking, Pige.«

Lady: »But who'd watch over the baby?«

 

Ladys Horizont endet hinter dem vornehmen Anwesen ihrer Besitzer. Auf jedes schüchterne Aufbegehren folgt eine entsprechende Strafe. Für die verbalen Klagen erhält sie einen Maulkorb, auf der Flucht vor dem Zwang wird sie von Straßenhunden verfolgt, nach dem Tag in Freiheit wird sie vom Hundefänger in einen Käfig gesperrt und daheim an die Hundehütte - sinnbildlich an das Haus - gekettet. Ihre Fügung in die tierische Reinkarnation des angel in the house durch die Familiengründung mit Tramp gleicht Resignation.

 

Tramps Domestizierung verdeutlicht seinen sozialen Aufstieg, seine Reife vom unbekümmerten Junggesellen zum verantwortungsvollen Familienoberhaupt und sein verdientes Zur-Ruhe-Kommen, nachdem er sich auf der Straße durchschlagen musste. Die Freiheitsluft, die Tramp schnüffeln durfte, ist Lady verwehrt, statt eines Babys muss sie fünf bewachen und ihr Einzelstatus ist unwiederbringlich verloren. Das Happy End ist Tramps Belohnung und Ladys Strafe. Ihr versagt die Handlung die amourösen Erfahrungen Tramps, der sich mit Lulu, Fifi, Trixie, Rosetta und Peg austoben konnte. Ihm wird freimütig die Doppelmoral einer bigotten Oberschicht zugestanden, die Affären männlicher Angehöriger mit der Unterschicht verzeiht, die für eine tugendsame Standesangehörige beendet werden.

 

Hunde, wollt ihr ewig lieben?

In der deutschen Fassung geht die klare Typisierung durch den Verlust der Namen weitgehend verloren. Namen und die Ermangelung von ihnen sind das tragende Motiv des klassenbewussten Subplots. Sämtliche Figuren haben sprechende Namen, die ihren Charakter definieren. Die aussagekräftigsten Namen trägt Aunt Sarahs durchtriebenes Katzengespann. Si und Am sind nach ihrem dominierenden Charakteristikum benannt: ihrer Rasse. Die Silben-Teilung lässt die Siamkatzen als unpersönliches Negativstereotyp asiatischer Feindbilder erscheinen. Während die Namen von Tramps Affären moralische Ambuguität (Lulu, Fifi) und niedrigen Klassenstatus suggerieren und ihre Gewöhnlichkeit auf die Austauschbarkeit der Trägerinnen verweist, betont der Artikel in Tramps Namen seine Individualität. Er ist kein beliebiger Straßenhund, sondern: »The Tramp«.

 

Die Verteilung der Geschlechterrollen spiegeln die menschlichen Protagonisten. Jim Dear macht der Vorname zu einer autarken Persönlichkeit, Darling hingegen ist in ihrer Beziehung als sein Liebling definiert. Die gesellschaftliche Kluft zwischen dem Hundepaar wird als erstes durch deren Anrede deutlich. Lady heißt wie das, was sie sein soll. Bereits als Welpe ist der Gesellschaftsstatus festgeschrieben, dem sie genügen muss. Jock und Trusty sind nach positiven Wesenseigenschaften benannt, Tramps Titulierung bezeichnet seine Freiheit. Die desillusionierten Dialoge, die andeuten, dass er nicht immer namenlos war, machen ihn zum tragischen Helden und relativieren die vermeintliche Klassenblindheit der Hund-Liebe.

 

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