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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 20:12

Cosey: Der Buddha des Himmels

07.07.2011

Tibet - mon amour

Der Buddha des Himmels, ein Comic, der im Tibet der Kulturrevolution spielt, ist weder eine Anklage gegen die Gräuel der chinesischen Besatzer noch eine Verherrlichung des unterdrückten buddhistischen Glaubens. Vielmehr erzählt der Schweizer Zeichner Cosey von einer Liebesgeschichte vor allzu realem politischen Hintergrund. Von CHRISTOPHER FRANZ

 

Sie beginnt im Jahre 1955 in den schneeverschneiten, unwirtlichen Höhen des Himalajas. Ein westlicher Forscher macht eine seltsame Entdeckung und erliegt kurze Zeit später den Folgen eines Bärenangriffs. Eine Tibeterin auf dem Weg nach Indien sucht Schutz in einer Höhle und stirbt dort an Entkräftung, nur ihr Baby wird gerettet von eben jenem Bär. Einige Zeit später wird das kleine Mädchen von einem alten Mann entdeckt, der in ihr die Wiedergeburt einer großen Mystikerin sieht. Alle diese Episoden verbindet die Legende um den Buddha des Himmels.

 

Nach diesem Auftakt springt die Handlung nach Indien und in das Jahr 1963. Dort würde der junge Brite Gifford lieber etwas Spannendes erleben, anstatt bald wieder in England die Schulbank drücken zu müssen. Deshalb folgt er heimlich einem tibetischen Hausangestellten auf dessen Reise in die Heimat. Und, wie sollte es anders kommen, sein Wunsch nach Abenteuer erfüllt sich schneller als er denkt, leider aber auf unerfreuliche Weise. Die beiden werden nach einem Autounfall getrennt und Gifford findet sich plötzlich vollkommen auf sich allein gestellt in der Schneewüste des Hochgebirges wieder.

 

Zum Glück findet er Herberge und Freunde in einem buddhistischen Kloster und verbringt dort eine lehrreiche und glückliche Zeit, nicht zuletzt da ihm der Besuch der ungeliebten Schule erspart bleibt. Auch macht er bei seinen Streifzügen die Bekanntschaft mit einem Mädchen, die als 5. Reinkarnation der Lhahl und Hüterin des Geheimnisses des Buddhas des Himmels in einer Einsiedelei versteckt gehalten wird. Natürlich verliebt er sich in sie, verliert sie aber bei der abrupten Flucht vor den anrückenden Kräften des chinesischen Militärs aus den Augen. Damit endet der erste Teil der Geschichte, deren zwei Alben für die deutsche Veröffentlichung erfreulicherweise in einem Band zusammengefasst wurden.

 

Im zweiten Teil begegnet man einem erwachsenen Gifford, der einige Jahre später in Amerika lebt, jedoch die Suche nach Lhahl immer noch nicht aufgegeben hat. Desillusioniert stößt er auf einen Zeitungsartikel, aus dem er erfährt, die Reinkarnation einer großen tibetischen Weisen namens Lhahl würde sich auf eine außergewöhnliche Zeremonie und eine Erklärung zur Zukunft Tibets vorbereiten. Sofort begibt er sich mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen auf die waghalsige Reise nach Tibet, das für Ausländer eigentlich Sperrgebiet ist. Jedoch sind das Land und  das Mädchen, das er sucht, nicht mehr dieselben wie zu Zeiten seiner unbeschwerten Jugend.

 

Ein Zeichner im Einklang mit der Natur

Der Schweizer Comic-Künstler Cosey lebt in einem kleinen Ort an den westlichen Ausläufern der Berner Alpen. Eben jene Bergwelt ist ein immer wiederkehrendes Sujet in seinem Werk. Seien es die Walliser Alpen in der meisterhaften Graphic Novel Auf der Suche nach Peter Pan, für die er viele Preise erhielt. Oder auch der Himalaja, dem er sich  schon ausgiebig in seiner 14 Alben umfassenden Serie Jonathan um einen europäischen Weltenbummler auf der Suche nach sich selbst gewidmet hat.

 

Die Landschaft und die Natur sind in seinem Werk nicht bloße Staffage, sondern in ihrer Präsenz integraler Bestandteil seiner Geschichten wie auch seiner Lebenswelt. Dieser ursprünglichen Verbundenheit begegnet man auch in Der Buddha des Himmels. Angereichert wird sie hier durch Elemente tibetischer Mystik und buddhistischer Lehre. Besonders eindrucksvoll sind seine Zeichnungen von ornamentalem Schmuck, vom alltäglichen Leben unter schwersten Bedingungen und den bildlichen Zeugnissen des Glaubens.

 

Man darf jedoch nicht meinen, dass hierdurch die Handlung auf esoterische Weise bestimmt wird. Über die eingestreuten buddhistischen Weisheiten kann man – wenn man möchte – getrost hinweg lesen. Und auch die Bilder werden ebenso wenig plakativ eingesetzt wie die Taten und Handlungen der chinesischen Soldaten und Politiker, über deren damalige und derzeitige Untaten die Welt auf vielfache Weise Kenntnis erlangt hat. Diese bedachte und unaufdringliche Verwendung zeigen das große Können Coseys, der mit Der Buddha des Himmels eine berührende Liebesgeschichte und eine Meditation über Zufall und Vorherbestimmung vorgelegt hat.

 

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