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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 20:17

Super 8 - ab heute im Kino!

21.07.2011

In einen E.T.-Abklatsch geschlenkert

»Sicherheit ist unser oberstes Ziel!«, verkündet eine Fabrikanzeigetafel groß zu Beginn von Super 8. Aber schreckliche Unfälle geschehen trotzdem. Darum gibt es irgendwo in im Amerika des Jahres 1979, das so surreal makellos wirkt wie ein Wunschtraum der Fünfziger, eine liebende Mutter, aufrechte Bürgerin und fleißige Stahlarbeiterin weniger, und ein kleiner Junge sitzt traurig auf einer Schaukel, dem keine Mami mehr Schwung gibt. Sicherheit ist auch J. J. Abrams oberstes Ziel – und auch er inszeniert einen schrecklichen filmischen Unfall. LIDA BACH sah ihn im Kino.

 

Das Leben geht weiter, auch wenn Schlimmes passiert, lautet die übergreifende Botschaft der Steven-Spielberg-Produktion. Don´t get me down fordert der Soundtrack nach einem abrupten Schnitt in der Eröffnungssequenz. Gleiches denkt sich auch der Junge, den Joe Lamb, den J. J. Abrams zur Identifikationsfigur für den kindlichen Teil des Publikums auserkoren hat. Weil sich der Regisseur und Drehbuchautor mit dem glaubhaften Vermitteln von Emotionen schwer tut, müssen die Empfindungen der Figuren Dialoge erklären, die schwerer wiegen als der Stahlbalken, der Joes Mutter zermalmt hat. Als Zuschauer macht man sich keine Sorgen um Joe (Joel Courtney), der, statt sich den Sommer vermiesen zu lassen, im Kleinstadtidyll von Lillian mit vier Freunden einen Zombie-Amateurfilm in Super 8 dreht.

 

Das kindliche Ensemble verkörpert prototypische Charaktere klischeehafter Jugendabenteuerfilme: Joe den Sensiblen, sein bester Freund Charles (Riley Griffith) den Dicken, Cary (Ryan Lee) den Pyromanen, Gabriel Basso den intellektuellen Brillenträger und Alice (Elle Fanning) das Mädchen. In einer bezeichnenden Szene wird der Dreh der Kinder wortwörtlich durch ein von gewaltigen Explosionen begleitetes Zugunglück gesprengt, bevor aus dem Jugendfilm ein Katastrophenfilm komplett mit Militär, wie dem skrupellosen Colonel Nelec (Noah Emmerich) wird, der sich zur Alien-Invasions-Geschichte wandelt und von dort in einen E. T.-Abklatsch schlenkert.

 

Unheimliche Begegnung der extraterrestrischen Art

Das nicht sonderlich komplizierte anfängliche Rätselraten kompensiert die zweite Filmhälfte durch ausführliche Erklärungen, damit auch ja nicht der leiseste Hauch von Mysterium bleibt. Seit 1958 sitzt ein außerirdisches Wesen auf der Erde fest. 1958? Das Jahr des Trinidad Island Ufos! Weil die fünf Protagonisten nicht die einzigen sind, die immer und überall eine Filmausrüstung im Handgepäck haben, kennt fast jeder dieses Fluggerät. Es ist jenes, das auf dem Poster in Agent Mulders Büro, abgebildet ist, auf dem »I want to believe!« steht. Jos Sheriff-Vater (Kyle Chandler) und Alices Trinker-Vater (Ron Eldard) hingegen will niemand glauben – oder nur die Falschen. Erster wird von Colonel Nelec unter Arrest gestellt, zweiter mit Pillen ruhiggestellt.

 

Ein Gesetzeshüter mit vagen Theorien über seltsame Vorgänge ist einfach glaubhafter, als ein Alkoholiker, der den aus Militärgefangenschaft entflohenen Alien leibhaftig gesehen hat. Die Väter lernen, dass sie trotz der sozialen und moralischen Kluft, die verantwortungslose Arme von heldenhaften Mittelstandbürgern trennt, eine Gemeinsamkeit haben: ihre Kinder. Der Titel wäre ideal für deren Geschichte, ein Kinderabenteuer im Geiste von Es oder Stand by me, das jedoch niemals gezeigt wird.

 

Vielleicht wirkt Abrams berechnende cineastische Sentimentalität so geschmacklos, weil die Zeit nostalgischer Coming-of-Age-Filme um Abenteuer und Freundschaft vergangen ist, weil die Welt nicht mehr naiv genug dafür ist. Doch Abrams scheint eingehüllt in einen Mikrokosmos aus selbstverliebtem Reaktionismus und Steven-Spielberg-Vernarrtheit. Super 8 ist eine Hymne auf heuchlerische Familienwerte, ein reaktionäres kleinstädtisches Ideal und manipulatives Melodram. Eine Hymne auf nostalgische Coming-of-Age-Filme ist er nicht. Eher ein Tanz auf ihrem Grab.

 

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