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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 20:19

A little bit of heaven - ab heute im Kino!

06.10.2011

Was der Himmel erlaubt

»Diese Vorstellung, man müsse sich verlieben, um für immer und ewig glücklich zu leben: das ist einfach nicht wahr«, glaubt Marley. Beginnt eine Hollywood-Liebeskomödie mit einem solchen Satz, ist diese Vorstellung natürlich doch wahr. Und klingt der Titel der Liebeskomödie nach einer Mischung aus christlicher Heilslehre und dem Schlager einer anderen Nicole, ist sie noch ein bisschen wahrer. Das lehrt in Nicole Kassels tragischer Romanze Gott in Gestalt von Whoopi Goldberg persönlich Marley und das Publikum. Wer würde sich einer Glaubenslektion von Whoopi widersetzen? LIDA BACH tat es im Kino.

 

Die Wendung »immer und ewig« ist in A little bit of Heaven (dt. Kein Mittel gegen Liebe) keine euphemistische Übertreibung. Für immer und ewig glücklich lebt Marley (Kate Hudson) erst nach ihrem Tod. Davor lernt sie glücklich zu sterben und sicherzustellen, dass ihre Freunde und Verwandten sich von ihrem Dahinscheiden nicht beeinträchtigen lassen. Bevor sie zu Whoopi in die metaphysische Chefetage versetzt wird, lebt Marley im Himmel auf Erden. Die Werbeagentin ist ebenso reich an Erfolg wie Geld und Freunden. Nach einer Darmkrebs-Diagnose fällt sie aus allen Wolken, doch landet weich im siebenten Himmel. »Wo außer in deinem Leben und General Hospital sehen Ärzte so aus?«, rätselt ihre Freundin Sarah (Lucy Punch) angesichts von Marleys Arzt Dr. Julian Goldberg (Gael Garcia Bernal). Die Antwort liefert Regisseurin Kassel, die Romantik und Tragik kalkuliert aufeinander abstimmt, um durch Rührung aufnahmebereiter zu machen für die Botschaft von Vertrauen und Vergebung.

 

Das Blaue vom Himmel

Beides in Gott – daran lassen religiöse Metaphern wie läutende Kirchenglocken, die implizierte Wiedergeburt Marleys im Baby einer Freundin und ihr Schlusssatz keinen Zweifel. Marleys angespannte Beziehung zu ihren Eltern (Kathy Bates, Treat Williams), sexuelle Aufgeschlossenheit und Unbeschwertheit werden unterschwellig als Charakterfehler dargestellt, die mit einer tödlichen Krankheit gestraft werden. Tod und Krankheit werden mit Schuld gleichgesetzt, für die der Sterbende Wiedergutmachung leisten muss. Großzügige Geschenke, Danksagungen und Geständnisse Marleys bezeichnen symbolisch Abbitte und Ablass. Das pauschale Verzeihen, welches eine aufrichtige Vergebung ersetzt, steht emblematisch für die Verdrängung der Themen, die im Zentrum der Handlung stehen: Verlust und und die eigene Sterblichkeit.

 

Die emotionale Leere übertüncht Sentimentalität, welche die süßliche Komik noch verstärkt. Der Abschied voneinander scheint Julian und Marley weder Angst noch Trennungsschmerz zu bereiten, so schmerzlos und umsorgt stirbt Marley. A little bit of Heaven liefert von der ersten Minute an »A little bit too much of Heaven«. Im Takt flockiger Pop-Balladen tänzelt die Kamera durch ein sonniges New York, das außerhalb von Tourismus-Prospekten wohl nie so malerisch war und begleitet die Charaktere dabei, wie sie lernen, nicht nur glücklich, sondern überglücklich zu sein. Das Überglück finden die Figuren ausgerechnet durch den Tod des augenscheinlichen Zentrums ihrer Clique, Marley. Nach Charakteren, die nicht glücklich sind und es allem Anschein nach auf immer und ewig sein werden, sucht man in der Liebeskomödie vergebens. Whoopis Wege sind unergründlich.

 

Könnte Gott im reinweißen Wattewolkenhimmel von A little bit of Heaven jemals eine schwarze Frau sein? Tatsächlich scheint er eher ein weißer Mann mit einem Bart so lang ist wie jener der misslungen Scherze, die sich zum Running Gag entwickeln. Julians Frage, ob er ihr einen Witz erzählen soll, beantwortet Marley im Sinne des Zuschauers: »Nein danke. Ich ziehe jemanden Komisches vor.« Wer todkrank sei, könne absahnen, sagt Marleys Vorgesetzter. Gleiches versucht Kassel mit einer todkranken Hauptfigur.

 

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