Jahrmarktsluft und Bombenrauch
Katzenmusik! Bonny hat ein flaues Gefühl im Magen und auch Azra (Jelena Stupljanin) ist ein wenig unwohl, als sie mit Divko (Miki Manojlovic) in dessen Heimatort reist. Zwei Jahrzehnte ist es her, dass er fliehen musste und Lucija ihm nicht folgen wollte. Dass Lucija dafür ausgewiesen wird verdrängt die Vorfreude auf seine Zukunft mit Azra und Bonny. Beide wurden im Regen stehen gelassen, beide hat Divko gefunden, beide gehören nun ihm. Der schwarze Kater hat ihm Glück gebracht, D-Mark und die junge Schöne an seiner Seite. Doch Bonnys Geheul auf dem örtlichen Friedhof wird zur ahnungsvollen Klage über zukünftige Tote. Der Kater läuft Divko davon und auch Azra droht ihm zu entgleiten. Das Glück hat sich da längst zur Hintertür heraus geschlichen. Statt seiner steht der Krieg vor den Toren des kleinen Dorfes im Sommer 1991 in Bosnien-Herzegowina
»Miau, miau, mio, bald brennt es lichterloh.« Die kleine Gemeinde, die der Krieg schon vor dem Ausbruch der Gefechte zerrüttet, das kuriose Lokalkolorit, indem der pittoreske Sowjet-Chic eine Moderne repräsentiert, die im Handlungsrahmen schon wieder gestrig ist und die kuriosen Charaktere, von denen Cirkus Columbia seine Dickköpfigkeit hat. Zwischen Nostalgie und Pessimismus schlängelt sich der Handlungsweg von Tanovics lichtem Drama, das mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Heimatlands des für sein Debüt No Mans Land mit dem Oscar ausgezeichneten Regisseurs blickt. Mit ungeschicktem Charme und seiner eigenwilligen, mitunter unentschlossenen Struktur verlockt das cineastische Original mehr als äußerlich makellose Mainstream-Unterhaltung. Fragile Symbolsprache und süffisante Pointen bewahren den ernsthaften Grundton der scheinbar leichtfertigen Handlung. Was zu sein man vorgebe, sei egal, bemerkt einer der Charaktere, wichtig sei, wofür die anderen einen halten. Bitter lächelnd schüttelt Cirkus Columbia den Kopf über die Absurdität von Krieg, nationaler Spaltung und persönlicher Animositäten, die plötzlich in gewalttätigen Hass ausbrechen. Immer erstickender wird die laue Sommerluft, bis das Grollen des Donners das bevorstehende Kriegsgewitter ankündigt und die Protagonisten beunruhigt zum Himmel blicken: »Das endet böse ...«
Katzenmusik. Noch im der allerletzten Moment, vor dem Ende des Friedens und dem Ende des Films. Die fröhliche Zirkusmusik, die den Bogen zum Titel schlägt, spielt nur der Soundtrack. Der Reigen von Freude und Kummer ist für immer vorüber. Am Horizont übertönt die bedrohliche Kakophonie des Krieges die Karnevalsmelodie. Die verlorene Mieze ist da wieder aufgetaucht, doch das Unhappy End der offenherzigen Tragikkomödie kann selbst sie nicht ins Hoffnungsvolle verkehren. So viel Glück kann keine Katze bringen.
