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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 20:29

Tyrannosaur - ab heute im Kino!

13.10.2011

Saint Anger

Der Hund hat sich durch die Nacht gequält, eine geschundene Kreatur, die ihren Schmerz nur unartikuliert äußern kann. Am Morgen ist der Hund tot. Erlösung kann in seltsamer Form kommen: Glaube, Wut und Hoffnung. Am größten unter ihnen ist jedoch die Wut. Blind davor schleppt sich Joseph durch die schäbigen Arbeitergassen von Leeds, in den Armen seinen sterbenden Hund. Er selbst hat - trunken von Alkohol und Raserei - auf das Tier eingetreten ... Von LIDA BACH

 

»Ich bin kein netter Mensch.« Der Hauptcharakter von Paddy Considines düster-schillernder Tragödie ist ein einsamer Mensch, ein bitterer Mensch, vor allem aber ein zorniger Mensch. Von Gewalt handelt die quälende Charakterstudie des Regisseurs und Drehbuchautors jedoch nur am Rande. Tyrannosaur handelt von Wut. Sie brütet in den gedimmten Räumen des Pubs, wenn die Gäste Joseph zu laut werden, sie pulsiert in seinem trunkenen Hirn, bevor rasende Tritte die Knochen seines Hundes zermalmen und sie zuckt in Josephs Fäusten, wenn sie am Sterbebett des einzigen Freundes (Robin Butler) keinen Gegner finden.

 

Kein Exzess kann die Aggressivität erschöpfen, weil sie nur ein Symptom Josephs zehrender Seelenkrankheit ist. Sein Zorn ist keine Gemütsregung, sondern sein Urwesen. Ein archaisches und schreckliches Ungetüm ruht gleich dem Saurierskelett auf dem kongenialen Filmposter in der Natur, der Menschen und der Landschaft.

 

Angry old Man

Gemessen und ohne falsche Nachsicht beobachtet Considine die Wut, die aus seinen Figuren hervorbricht wie Eiter aus einem Geschwür. Selbst die ruhigen Szenen sind durchdrungen von Angriffslust, die seine Figuren ausdünsten. Kühl und feindselig begegnet ihnen die Welt der stillen Elegie, mit Verbitterung und Rohheit zahlen es die Figuren ihr heim. Die taktvoll aus Suggestionen und Andeutungen komponierten Bilder erschüttern, nicht, indem sie gängige Gewaltinszenierungen zu übertrumpfen versuchen, sondern weil Zorn und Schmerz in ihnen unmittelbar auftreten, ungefiltert von Rationalisierung oder einen sublimierenden Sinn.

 

Tyrannosaur ist ein düsteres Requiem auf eine Seele, die jenseits von Vergebung scheint und dabei schmerzhaft menschlich bleibt. Mit anatomischer Präzision seziert Considine die Spielarten der Brutalität, ohne pauschale Erklärungen oder Rechtfertigungen dafür zu konstruieren. Die zaghafte Annäherung der von den Akteuren erschütternd lebensnah gespielten Figuren ist keine segenspendende Gloriole, nur ein Irrlicht gegen das Schmerzliche des Lebens, das Tyrannosaur zeigt: in all seiner profanen Grausamkeit und traurigen Schönheit.

 

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