Mama ist unmöglich
Wer will überhaupt schon Roberta? Mit ihrer Mischung aus intellektueller Unreife und physischer Überreife vergrault sie ihre Partner schon nach dem ersten Abend. »Vielleicht sollten wir sie einschläfern«, überlegt Tatjana, bevor Nana es auf den Punkt bringt: »Roberta, du bist das Problem.« Letzteres gilt nicht nur für die Kinder, sondern für den abgeschmackten Humor der witzlosen Mixtur aus Provinzposse und Familienkomödie. Fliegende Fische müssen ins Meer zeige ehrlich und schonungslos das Leben einer alleinerziehenden Mutter, behauptet Kar, während der krude Plot ein Klischee von der verkorksten Familie mit Herz und den kuriosen Wucherungen dörflicher Spießigkeit an das nächste reiht. Das Jugendamt droht Roberta zur Räson zu bringen, die Töchter nehmen ohne Mamas Wissen die Suche nach einem Stiefvater in die Hand, der neue Dorfarzt Eduardo (Barnaby Metschurat) könnte der Richtige sein, aber tatsächlich ist es der alteingesessene Damenchorleiter (Hans-Peter Müller-Drossaart).
Die Überforderung der Jugendlichen, die ihre Familie durch Bettelgänge im Ort über Wasser hält und Berufsträume vom großen Wasser, dass sie als Hochseekapitänin befahren möchte, aus selbstschädigendem Verantwortungsgefühl gegenüber ihrer egoistischen Mutter und den Geschwistern zurückstellt, erscheint als trotziger Affront Nanas gegen Robertas Verhalten. Dass die vulgäre Proletin die systematisch die Gefühle anderer verletzt und ihre geistige und finanzielle Unterlegenheit kompensiert, indem sie ihre Mitmenschen herabsetzt, soll als Lebenslust und Lockerheit gelten. Die emotionale und soziale Verwahrlosung der Kinder trivialisiert der Liebesschwank so weit, dass selbst der Selbstmordversuch Nanas zur Folie für abgeschmackten Humor ohne dramaturgische oder psychologische Konsequenzen verkommt.
Das Leben ginge weiter, erstickt Nana umgehend: »Mit seinen kleinen Pannen und Freuden.« Zu letzten zählt der plumpe Klamauk, der die provinzielle Mentalität, die er vorführen will, zur abschließenden Morallektion erhebt. Wozu nach den Sternen greifen? »Die sind zum Glück weit weg!« Alles könnte so einfach sein, fantasiert Nana einmal während eines ihrer die Handlung durchziehenden Tagträume: »Man würde weggehen und alles wäre still. Endlich wäre Ruhe.« Nicht anders denkt man als Kinozuschauer.