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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 20:39

Das Fantasy Filmfest 2011

23.08.2011

The Horror! The Horror!

Drei untote Hände recken sich nach dem Publikum, um sich auf sein Herz zu legen. Die Grusel-Injektion will verabreicht werden. Die Chancen auf Karten stehen auf Messers Schneide. Horror is a warm gun. Zombie-Klauen, Stichwaffe, Schusswaffe, Spritze: vier Poster für ein Vierteljahrhundert Fantasy Filmfestival. So innovativ wie das Artwork, das zum Originellsten der hiesigen Festivallandschaft zählt, ist das Programm. Mit 52 Filmen zum 25. Jubiläum tourt das Genre-Festival mit Grauen, Gore und Galgenhumor jeweils acht Tage durch acht Städte. LIDA BACH ließ sich nicht abschrecken.

 

Video Nasties! Den Rang, den heute brutale Computerspiele in den Debatten um Medienzensur verteidigen, nahmen 1987 die ungeschnittenen Filme ein, die auf Bandkassette einem ständig wachsenden Publikum zugänglich wurden. Heute ist der Bildschirm, von dem der Popanz des medialen Aufrufs zu Schulmassaker und Amoklauf kommt, der des PCs. Im Gründungsjahr des Fantasy Filmfestivals war es der des Fernsehers. Zwischen Hardcore-Heimkino und Midnight Movies blieben Freunden einer gepflegten Gänsehaut wenig Alternativen.

 

Als Texas Chainsaw Massacer, Night of the Living Dead und Halloween noch öfter als jugendgefährdende denn als stilprägende Meisterwerke betitelt wurden, trug das Fantasy Filmfestival dazu bei, dem Nischen-Genre einen festen Platz Kino einzuräumen.

 

Die dämonische Leinwand

Das 1987 in einem Hamburger Lichtspieltheater geschaffene Wesen hat längst die lokalen Fesseln gesprengt. Was als Fundgrube für Cineasten, Sparten-Publikum und Experimentierfreudige begann, ist zu einem der beliebtesten deutschen Filmfestivals gereift.

 

Neben Horror in allen Spielarten von fantastisch über psychologisch bis komödiantisch und traditionell, nimmt der Focus Asia das asiatische Kino ins Visier während zur Midnight Madness eingedenk der Mitternachtsvorführungen in amerikanischen Kinos Trash, Splatter und Experimentelles über die Leinwand flackert. Seit 2008 eröffnet das Fantasy Filmfest seine Städtetour, die es durch Hamburg, München, Frankfurt am Main, Nürnberg und Stuttgart führt, in Berlin. 52 Spielfilme stehen neben zwei Kurzfilm-Features auf dem umfangreichen Programm, das vom 16. bis zum 24. August in CineStar am Cinemaxx am Potsdamer Platz aufgeführt wird. Zehn von ihnen konkurrieren um den vom Publikum verliehenen Fresh Blood Award.

 

Das es keines offiziellen Preises bedarf, um zu einem Zuschauerliebling gekürt zu werden, hat das Fantasy Filmfestival mit seiner erfolgreichen Mutation selbst bewiesen. Hier findet Horror ein Zuhause. Sicher auch in den kommenden 25 Jahren. Besser kein Ende mit Schrecken, sondern ein Schrecken ohne Ende.

 

Der Stoff, aus dem die Alpträume sind

Zum 25. Geburtstag des schönen Grauens liefert TTIEL-Kulturmagazin unverzagt täglich eine aktuelle Festivalkritik. Für Kurzentschlossene ein Überblick über das Schaurigste und Schrägste der Festivalkategorien.

 

Specials: Don't be afraid of the Dark (USA, Australien 2010; Regie: Troy Nixey; 99 Min.) Das TV-Original bescherte dem Co-Drehbuchautor 1973 Alpträume, die bis heute seine düsteren Kinomythen inspirieren. Wer seine Kinder zu zukünftigen Guillermo Del Toro heranziehen will, lässt sie in dessen düsteren Fairy-Tale mit der kleinen Sally den Flüsternden im Schatten lauschen.

 

Fresh Blood: Rabies (Israel 2010; Regie: Aharon Keshales, Navot Papuschado; 90 Min.) Frischer und blutiger als ein ganzes Land, das mit Israels erstem Slasher sein Horrordebüt gibt, geht es nicht. Tali und Ofer sind ein Geschwisterpaar und tappen im Wald in eine Falle – beides im doppelten Sinne. Gegenüber Polizisten und jungen Tennisspielern ist der Killer noch der harmloseste.

 

Focus Asia: 3D Sex and Zen Extreme Ecstasy (Hongkong 2011; Regie: Christopher Sun Lap Key; 113 Min.) Make love not war! Nicht nur Waffen können plastisch auf der Leinwand hervorstehen und nicht nur Blut ist ein besonderer Saft. Der streng genommen zweite, aber erste international beachtete Porno in 3D. Mit Mystik, Moral und einem ganzen Rudel Playboy-Bunnies. Auch ohne Schießpulver ist im alten China jeder Schuss ein Treffer.

 

Midnight Madness: Red State (USA 2011; Regie: Kevin Smith; 97 Min.) Obwohl kein Debüt im engeren Sinne, könnte der Horrorerstling auch bei Fresh Blood stehen. Regie führte der Kevin Smith, dem angesichts des religiösen Fanatismus seines Heimatlandes das Lachen verging. Glaubenswahn, Fundamentalismus und Staatswillkür sind nur einige der heiligen Kühe, die Smith mit einer Horde Sektengefangener schlachtet.

 

Selected Features: War Games – At the End of the Day (Italien 2010; Regie: Cosimo Alema; 93 Min.) Counter Strike ist schlimm. Noch schlimmer ist – Paintball! Drei psychopathische Ex-Soldaten machen aus dem Spaß Todernst und ihre jugendlichen Gegner müssen um das eigene Leben spielen. Und am allerschlimmsten: Mühle? Halma? Mensch-ärgere-dich-nicht?

 

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