Und täglich grüßt die Psycho-Clique
Jeder kann machen was er will – ob er will oder nicht. Eine illusorisches Gefühl von Freiheit findet das zynische Trio nur zum Preis physischer Abhängigkeit und Repetition. Das Science-Fiction-Motiv wird zur Metapher des Drogenkonsums, der medizinisch zum Auslöser von Déjà-vus werden kann. Das Freiheitsgefühl, welches der Glaube, täglich von vorn anfangen zu können, bei den Figuren auslöst, spiegelt den Drogenrausch – und zu Suchtverhalten neigen alle von Bessais Protagonisten. In ihrem unterschiedlichen Umgang mit ihm folgen Sonia, Kyle und Mike den Verhaltensschemata gegenüber ihren Familien. Sonia scheut vor der Verlockung zurück wie vor ihrem Vater, Kyle versucht Verantwortung zu zeigen, Mike verharrt in der Rolle des unbändigen Kindes, das seine Grenzen austestet.
In einer unabänderlichen Welt werden die Begriffe von Gut und Böse bedeutungslos. Das Schicksalsrad wird jede Nacht zurückgedreht und einen Selbstmörder zu retten ist ebenso vergeblich wie Wiedergutmachung. Das Kafka-Zitat, das Bessai über den gedrückten Mystery-Thriller stellt, gewinnt eine zynische Doppeldeutigkeit: »Warte nicht auf das Jüngste Gericht. Es findet jeden Tag statt.« Wird man täglich gerichtet, ist die Verfehlung gesühnt und der Folgetag ein schuldloser Anfang.
Während Mike die Stolperfallen erkennt, die das Schicksal ihnen stellt, stürzen seine Freunde immer wieder darüber. Der heimlicher Außenseiter der Dreier-Clique verkörpert das Es zu Kyles aktivem Ego und dem Über-Ich der nachdenklichen Sonia. In zwielichtige, matte Farben getaucht, ist Repeaters mehr Moralstudie als Science-Fiction. Der Kernkonflikt kreist nicht um die gesetzlichen, sondern die seelischen Konsequenzen einer jeden Tat. Die blasse Pointe weckt cineastisch den Eindruck, der den Thriller vorantreibt: Déjà-vu.
