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Repeaters - Fantasy Filmfest Special

18.08.2011

Stirb an einem anderen Tag

Der Mittwoch, an dem die jungen Ex-Junkies in der tristen Drogenklinik im ländlichen Vancouver als letzten Schritt ihres Neun-Schritte-Entzugsplans Wiedergutmachung leisten sollen, beginnt jeden Tag von neuem. Mike erkennt als erster, dass in einer Welt ohne morgen jede Handlung erlaubt ist, und um ihn aufzuhalten, müssen Kyle und Sonia früher aufstehen. Von LIDA BACH.

 

Innerhalb des Rehabilitationsprogramms, das ihnen den Entzug ermöglicht, gibt ihnen ein Ausgangstag die Möglichkeit zur Wiedergutmachung, die sie durch den Zeitsprung immer wieder nutzen können. Der Aufenthalt in der Klinik ist unfreiwillig, die Teilnahme am Neun-Schritte-Programm obligatorisch, das Wiederholen des gleichen Tags eine unerklärliche Gegebenheit, die sich ihrer Kontrolle entzieht. Das Konzept einer Chance wird durch den Handlungsrahmen ad absurdum geführt. Die Wahl, vor der die Protagonisten stehen, bietet keine Alternative. Zerrissen zwischen grindigem Independent-Drama und Charakterthriller zeichnet Repeaters das Bild einer Jugend ohne Zukunft.

 

Und täglich grüßt die Psycho-Clique

Jeder kann machen was er will – ob er will oder nicht. Eine illusorisches Gefühl von Freiheit findet das zynische Trio nur zum Preis physischer Abhängigkeit und Repetition. Das Science-Fiction-Motiv wird zur Metapher des Drogenkonsums, der medizinisch zum Auslöser von Déjà-vus werden kann. Das Freiheitsgefühl, welches der Glaube, täglich von vorn anfangen zu können, bei den Figuren auslöst, spiegelt den Drogenrausch – und zu Suchtverhalten neigen alle von Bessais Protagonisten. In ihrem unterschiedlichen Umgang mit ihm folgen Sonia, Kyle und Mike den Verhaltensschemata gegenüber ihren Familien. Sonia scheut vor der Verlockung zurück wie vor ihrem Vater, Kyle versucht Verantwortung zu zeigen, Mike verharrt in der Rolle des unbändigen Kindes, das seine Grenzen austestet.

 

In einer unabänderlichen Welt werden die Begriffe von Gut und Böse bedeutungslos. Das Schicksalsrad wird jede Nacht zurückgedreht und einen Selbstmörder zu retten ist ebenso vergeblich wie Wiedergutmachung. Das Kafka-Zitat, das Bessai über den gedrückten Mystery-Thriller stellt, gewinnt eine zynische Doppeldeutigkeit: »Warte nicht auf das Jüngste Gericht. Es findet jeden Tag statt.« Wird man täglich gerichtet, ist die Verfehlung gesühnt und der Folgetag ein schuldloser Anfang.

 

Während Mike die Stolperfallen erkennt, die das Schicksal ihnen stellt, stürzen seine Freunde immer wieder darüber. Der heimlicher Außenseiter der Dreier-Clique verkörpert das Es zu Kyles aktivem Ego und dem Über-Ich der nachdenklichen Sonia. In zwielichtige, matte Farben getaucht, ist Repeaters mehr Moralstudie als Science-Fiction. Der Kernkonflikt kreist nicht um die gesetzlichen, sondern die seelischen Konsequenzen einer jeden Tat. Die blasse Pointe weckt cineastisch den Eindruck, der den Thriller vorantreibt: Déjà-vu.

 

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