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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 20:43

Good Neighbours - Fantasy Filmfest Special

25.08.2011

Meine teuflischen Nachbarn

Spencer (Scott Speedman) mag Fische. Mit stoischer Ruhe ziehen sie die immer gleichen Kreise hinter der Glasscheibe ihres separaten kleinen Kosmos´. Das Draußen wird überbewertet. Hinter ihrem harmlosen Äußeren sind sie Jäger, die ihre eigene Art fressen. Lautlos und wendig sind sie im Grunde Gefangene ihres Elements, das sie nie verlassen. Genau wie ihr verbitterter Mieter, der sein Appartement nicht verlassen hat, seit ein Autounfall ihm seine Frau nahm und ihn in einen Rollstuhl zwang. Von LIDA BACH

 

Louise (Emily Hampshire) mag Katzen. Nichts bleibt ihnen verborgen auf ihren heimlichen Erkundungsgängen, von denen sie stets wieder in ihr eigenes Reich zurückkehren. Ihre neckischen Tändeleien sind in Wahrheit nur ein Spiel mit der Beute, die sie in ihren Krallen halten. So anhänglich sie scheinen, sind sie dennoch Einzelgänger. Soziale Kontakte sind überbewertet. Der spröden Kellnerin genügen schon die übrigen Hausbewohner, zu denen gerade erst ein neuer hinzugekommen ist.

 

Victor (Jay Baruchel) mag Menschen. Er stört sich nicht am Tratsch der Vermieterin (Micheline Lanctôt) mit der Therapeutin aus der anderen Etage, am missmutigen Ermittler (Gary Farmer), der um das Gebäude streicht und an der exzentrischen Alkoholikerin Valerie (Anne-Marie Cadieux), die Louises Katzen nach dem Leben trachtet. Besonders mag Victor die kühle Louise, vielleicht ein wenig zu sehr. Denn wie alle Mieter hat auch er seine Ticks und Schwächen.

 

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben...

Louise und Spencer teilen eine Affinität zu Klassik, Alkohol und Serienmord. Mit morbider Neugier degustieren sie jeden Zeitungsartikel über eine neue Frauenleiche, die in dem schäbig-alternativen Stadtteil Montreals auftaucht. Mit Spencer teilt Victor eine Affinität zu Louise, die sich mal verführerisch räkelt, mal bissig zeigt und mit Louise die Affinität zu Katzen. Die Folgen der Gemeinsamkeiten auf das nachbarschaftliche Klima sind verhängnisvoll. Jeder täte Dinge in seinem Privatleben, die er nach außen hin niemals erklären könnte, sagt Grace Kelly in Das Fenster zum Hof. Ein Erkenntnis, die der eigenwillig konstruierte Plot von Good Neighbours wie so vieles mit Übereifer statt Feingespür vermittelt. Mit dem unbedarften Victor beginnt Jacob Tierneys poliertes kleines Psycho-Exposé, doch das neue Mitglied der pathologischen Hausgemeinschaft ist nicht Haupt-, sondern Leitfigur. Mit ihm zieht der Zuschauer in das Backsteingemäuer, dessen verfallende Fassade auf das Versteckte und Verdrehte deutet, das sich dahinter abspielt.

 

Seine Figurenkonstellation setzt der kanadische Regisseurs und Drehbuchautor aus Gegensatzpaaren zusammen, die einander gerade aufgrund ihrer Verschiedenheit anziehen. Eines dieser Paare sind Viktor und seine beiden neuen Bekannten. Sein jungenhaftes Wesen steht im Kontrast zu beider Verschrobenheit. Konträr zu ihrer Reserviertheit wächst seine Anhänglichkeit. Diese augenscheinliche Immunität gegen Zurückweisungen weckt schließlich die Neugier des Duos, ein ungesundes Interesse, das Viktor mit Freundschaft verwechselt. Während der Grundschullehrerberuf seine Extrovertiertheit unterstreicht, deutet Louises Kellnern auf ihre Unverbindlichkeit, und die seltsame Leere des Restaurants auf ihr einzelgängerisches Wesen. Letztes charakterisiert sie als Seelenverwandte ihrer Katzen. Haustiere sind die auffälligste Metapher, die das Ränkespiel für die Psyche der Good Neighbours verwendet. Spencer und Louise spiegeln einander in ihrer speziellen Beziehung zu ihren Tieren, deren Wesensart der ihrer Besitzer gleicht.

 

... wenn es den bösen Nachbarn nicht gefällt

Die animalischen Facetten ihrer Persönlichkeit gleichen einander und sind dennoch antagonistisch. Louises symbolische Assoziation mit Katzen und Spencers mit Fischen macht die scheinbaren Gefährten zum zweiten Gegensatzpaar. Die äußerliche Kameradschaft mit Spencer ist tatsächlich ein Spiel mit der Beute, die sie ebenso lustvoll beobachtet wie Spencer die einander fressenden Fische.

 

Hitchcocks sardonischer Humor und der psychologische Horror von Polanskis Der Mieter sind die atmosphärischen Vorbilder der Romanadaption. Doch für das unstete Kammerspiel auf mehreren Etagen sind sie unerreichbar wie ein stimmungsvoller Einklang zwischen Sozialparodie und Psychothriller. Kaum ist das Ensemble suspekter Figuren etabliert, ignoriert es der Bühnenkrimi, der seine Plot-Twists mutwillig verrät. Eine eingeblendete Zeitungsschlagzeile umschreibt auch treffend das unbefriedigende Ende: Dead Heat.

 

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