...trifft auf gelungene Zeichnungen
Kiezpiraten, leichte Mädchen, Drogendealer: Diese illustre Runde stellt eine Art Quintessenz des Reeperbahn-Milieus dar und wird von Volker Sponholz überzeichnet, aber nicht karikiert in Szene gesetzt: Seine klaren, liebevollen Zeichnungen verleihen den Figuren Individualität und Tiefe, so klischeegepflastert das Motiv »Kiez« auch sein mag.
Räume und Umgebungen werden dabei zur Nebensache, sie sind meist minimalistisch, fast spartanisch gehalten, während die Figuren das Geschehen dominieren. In diesem Sinne ist Gnadenstoß ganz Hörspieladaption: Hier wie dort entfaltet sich die Handlung primär über das Miteinander der Figuren.
Auch das »Blickfeld« des blinden Protagonisten stellt Sponholz überzeugend dar: Schwarze Panels, auf denen sich alles, was für Peter Lundt hör- oder fühlbar ist, als Schemen abzeichnet. Schönstes Beispiel: die Prologsequenz im Millerntorstadion – für Fußballkarikaturist Volker Sponholz fast ein Heimspiel.
Trotzdem hinterlässt Gnadenstoß letztlich nur einen überaus mittelmäßigen Eindruck. Die Zutaten stimmen zwar, jedoch verschenkt der Comic durch die uninteressante Handlung und die wirre Erzählstruktur eine Menge Potential. Hinzu kommt, dass es bei Unkenntnis der Hörspiele oft schwerfällt, die Figuren einzuordnen, zumal dem Leser durch den unvermittelten Beginn kaum Gelegenheit geboten wird, sie kennenzulernen. Das erzeugt eine Distanz, die der Spannung nicht gerade zuträglich ist und lässt die – durchaus interessanten – Charaktere einiges an Charisma einbüßen.
