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Donnerstag, 24. Mai 2012 | 21:02

Arne Sommer/ Volker Sponholz: Peter Lundt - Gnadenstoß

15.09.2011

»Ein blinder Detektiv? Wie soll das denn gehen?«

Diese Frage bekommt Peter Lundt im gleichnamigen Comic häufig zu hören. Auch SEBASTIAN DAHM hat sie sich gestellt und findet: Es geht. Leider nicht ganz so gut wie erwartet.

 

Peter »Körpersprache verstehe ich nicht mehr so gut wie früher« Lundt ist ein harter Knochen, wie er im Buche steht: zynisch, wortkarg, eigensinnig. Der Dienstunfall, bei dem er das Augenlicht verloren hat, setzte zwar seiner Karriere als Polizist ein jähes Ende, für einen Peter Lundt sind solche Kleinigkeiten jedoch kein Grund die Verbrecherjagd an den Nagel zu hängen.

 

Ex-Polizist wird Privatdetektiv und löst skurrile Fälle: eigentlich ein altbekanntes – wenn nicht gar altbackenes – Prinzip, doch bei dem von Arne Sommer erfundenen Schnüffler kommt mit der Blindheit des Protagonisten ein durchaus originelles Element hinzu. Durfte Lundt bisher ausschließlich in Hörspielen oder auf der Bühne ermitteln, liegt nun mit Gnadenstoß die erste, von Volker Sponholz gezeichnete Comic-Adaption vor, eine eigenständige Story, die praktisch vor Peter Lundts Haustür angelegt ist: in Hamburg St. Pauli.

 

Problematischer Plot...

Gleich zu Beginn wird Peter Lundt recht unsanft in seinen neuen Fall geschubst: Alle seine Freunde und Weggefährten werden nach und nach unter fadenscheinigen Vorwürfen verhaftet, ein Brandanschlag wird auf seine Wohnung verübt: Offenbar will sich hier jemand rächen. So ist Peter Lundt gezwungen, in seiner eigenen Vergangenheit nachzuforschen, was der Plot durch teils recht wilde und willkürlich angeordnete Rückblenden umsetzt.

 

Dabei bleibt die Spannung eher mäßig und es drängt sich der Verdacht auf, dass hier versucht wurde, der dünnen Story durch mäandernde Erzähltechnik etwas Pep zu verpassen. Da werden fleißig Zeitebenen durchmischt und Nebenhandlungen eingefügt, ohne dass das Ganze die Geschichte nennenswert vorantreiben würde. Die Plot-Montage gerät zum Selbstzweck und der Leser bekommt am Ende eine fast banale Auflösung präsentiert. Das ist schade, vor allem in Hinblick auf die starken Charaktere, denen keine Möglichkeit zur Entfaltung geboten wird.

 

...trifft auf gelungene Zeichnungen

Kiezpiraten, leichte Mädchen, Drogendealer: Diese illustre Runde stellt eine Art Quintessenz des Reeperbahn-Milieus dar und wird von Volker Sponholz überzeichnet, aber nicht karikiert in Szene gesetzt: Seine klaren, liebevollen Zeichnungen verleihen den Figuren Individualität und Tiefe, so klischeegepflastert das Motiv »Kiez« auch sein mag.

 

Räume und Umgebungen werden dabei zur Nebensache, sie sind meist minimalistisch, fast spartanisch gehalten, während die Figuren das Geschehen dominieren. In diesem Sinne ist Gnadenstoß ganz Hörspieladaption: Hier wie dort entfaltet sich die Handlung primär über das Miteinander der Figuren.

Auch das »Blickfeld« des blinden Protagonisten stellt Sponholz überzeugend dar: Schwarze Panels, auf denen sich alles, was für Peter Lundt hör- oder fühlbar ist, als Schemen abzeichnet. Schönstes Beispiel: die Prologsequenz im Millerntorstadion – für Fußballkarikaturist Volker Sponholz fast ein Heimspiel.

 

Trotzdem hinterlässt Gnadenstoß letztlich nur einen überaus mittelmäßigen Eindruck. Die Zutaten stimmen zwar, jedoch verschenkt der Comic durch die uninteressante Handlung und die wirre Erzählstruktur eine Menge Potential. Hinzu kommt, dass es bei Unkenntnis der Hörspiele oft schwerfällt, die Figuren einzuordnen, zumal dem Leser durch den unvermittelten Beginn kaum Gelegenheit geboten wird, sie kennenzulernen. Das erzeugt eine Distanz, die der Spannung nicht gerade zuträglich ist und lässt die – durchaus interessanten – Charaktere einiges an Charisma einbüßen.

 

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