Großauftrag. Erbitterte Konkurrenz der Baufirmen. Dass die Mafia ihre Fühler ausstreckt, imponiert den ortsansässigen Unternehmen nicht im Geringsten. Mafia, das können sie selber, das können sie besser! Es wundert nicht, dass zum Schluss der Leiter des Dezernats Wirtschaftskriminalität als einer der Strippenzieher entlarvt wird. Naheliegend auch die direkte Verbindungslinie zum Fitnesscenter-Testosteron-Milieu und zum braunen Sumpf. Dumpfe Handlanger, rohes Macho-Gehabe und die Drohung mit brutaler sexueller Gewalt. Nein, in dieser unmissverständlichen Klarheit wurde die Heruntergekommenheit bestimmter Milieus bislang nicht auf den Bildschirm geholt. Ein Augenöffner, ein Glanzstück für den Sonntagabend.
Die Ruhe, die jeder Film braucht, die muss in dieser Person Bernsdorf von Ihnen ausgehen, lieber Ulrich Tukur. Ein reizvoller Part für einen qualifizierten, erfahrenen Darsteller wie Sie. Aber nix ist mit Frauengeschichten, denn Ihre Kommissarin ist lesbisch, obgleich – auch das ändert sich: die Lebensgefährtin geht ihr gehörig auf den Zeiger. Bunte, beschädigte Wirklichkeit.
Sie werden es sich bereits gedacht haben, liebe Leser. Dies ist ein TATORT-Wunsch für das Weihnachtsfest. Liebe Sendeanstalten: Verfilmen Sie doch mal Schwemmholz von Ulrich Ritzel. Denn wer sich – Beispiel Norddeutscher Rundfunk – einen kostspieligen Keinohrhasen als Kommissar genehmigt, darf auch in einen etablierten Autor investieren.
Das ganze Jahr über hatten wir schon den Eindruck, die TATORTE seien stets ein bissel für den Weihnachtsmann produziert. Doch Rosamunde Pilcher überholen, das ist die falsche Zielsetzung. Vom TATORT wünschen wir uns 2012, dass dessen Augen klarsichtig werden für die Verwahrlosung, die uns täglich zu schaffen macht.