Dass der Zuschauer aus der Rolle des passiven Konsumenten herausgenommen wird und ihm eine quasi beobachtende Distanz angeboten wird, ist zweifellos das große Verdienst des Hauptkommissars Andreas Keppler (Martin Wuttke), dessen unablässig gestresste Attitüde im Zweifel ehrlich ist (»Mein Gott! Was für eine beschissene Ehe!«); sein nüchterner Blick und seine lakonische Sprache färben auf den gesamten Film ab: »Das ist die Schwachstelle bei diesem Kameramodell. Die Dinge fallen ständig ab«.
Nach dem zweiten Mordfall, einer ähnlich brutalen Tat an einer jungen Abiturientin, wird der Kreis der Verdächtigen größer, durch Roman Rustaveli (Merab Ninidze) wird der Zuschauer mit der sogenannten »posttraumatischen Belastungsstörung« konfrontiert – im Ersten Weltkrieg firmierte das noch bodenständig unter »Kriegszitterer« –, deren Auswirkungen unkalkulierbar und deren Chancen auf Resozialisierung ungewiss sind. Auch hier wieder die Botschaft: Dieser TATORT möchte eher nicht, dass wir uns im Sessel zurücklehnen und unsere Chips mit Bier hinunterspülen. Er fordert unsere Aufmerksamkeit und lenkt unseren Blick aus der guten Stube hinaus.
Die Regie (Jörg Widmer) schafft eine dichte und fesselnde Atmosphäre. Zu Beginn werden wir in der Schwebe gehalten und lernen Nebenfiguren schätzen, die uns in ihrer Widersprüchlichkeit gezeigt werden. Nein, dies ist keine Produktion aus der Heile-Welt-Fabrik. Todesbilder ist um einen realistischen Blick auf die Welt bemüht. Im letzten Drittel dreht der Film rasant auf und präsentiert ein, ja, doch: überraschendes Finale.
Nicht zu vergessen: Wir werden mit der frühen Biographie der Hauptkommissarin bekannt gemacht, eine Jugendliebe tritt auf. Nein, nicht Herz-Schmerz, sondern ein erwachsen nüchternes Wiedersehen, das der Aufklärung der Morde und ebenso der verschütteten Beziehung der beiden Kommissare neue Akzente verleiht. Todesbilder – ein Lichtblick im neuen Jahr, kein Zweifel.